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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Mein Werder

Kolumne: Der Sieger geht nach Europa

16.02.2019

Bremen Während diese Zeilen entstehen, sitze ich im Zug auf der Fahrt zurück von der Trauerfeier für Rudi Assauer. Wenn Fußball Religion ist, dann auf Schalke, das ist mir in St. Urbanus, dem Ort der Gedenkfeier in Gelsenkirchen-Buer wieder mal überdeutlich klar geworden. Weniger weil das „Who is Who“ des deutschen Fußballs dem Macher und Macho von Schalke 04 die letzte Ehre erwies, sondern weil das vor allem eine Veranstaltung der sogenannten kleinen Leute war und damit eine Sache tiefer Emotionen. „Das war Rudis Geist, der dafür gesorgt hat, dass seine beiden Herzensvereine jetzt im Pokal aufeinandertreffen“, höre ich von einem der Knappen, der mich als „Du bist doch der Sabbeler von die Fischköppe“ identifiziert hat.

Da mag er Recht haben. Mir selbst war das ein Herzensbedürfnis, Rudi persönlich Adieu zu sagen. Ich habe ihn erlebt, als die Muffe Carola das Weser-Stadion lahmlegte. Kein Flutlicht, kein Strom, nix mehr beim Saisonstart 2004: Meister Werder gegen Ailton-Schalke. Hochspannung und Krisensitzung in der Sprecherkabine. Die Tür fliegt auf und herein kommt erst mal ein halber Meter Zigarre, gefolgt vom Qualm einer alten Dampflok und akkurat gegelter Matte. „Leute, warum macht ihr denn keine Durchsagen?“ Wir haben Rudi dann erst mal erklärt, dass ein Mikrofon doch tatsächlich auch Netzstrom benötigt. Lebewohl, alter Werderaner. 188-mal für uns auf dem Platz, Kapitän, Manager, Trainer, später Konkurrent und Abwerber, aber immer Mensch!

Und jetzt also Hertha. Bremen ist meine Vaterstadt, Berlin seit vielen Jahren Heimat. Ich habe dort mehr als noch einen Koffer stehen, wie man an der Spree sagen würde. Zum Olympiastadion gibt es eine fast so emotionale Beziehung wie zur Heimhütte am Weserbogen. Mit unserem Sportlehrer Wilhelm-Heinrich Brand und meinem GRG war ich 1973 zu „Jugend trainiert für Olympia“ erstmals dort. Rote Aschenbahn, Holzbänke, 33 000 Zuschauer, beeindruckend für einen pöksigen Bremer Butjer wie mich. 33 Jahre später Stadionsprecher des WM-Finales beim Sommermärchen. Und immer wieder Werder dort. Ganz oft ganz bitter (Dortmund!/Lautern!!), noch öfter ein Träumchen (Köln, Bayern, Bayer!!!). Und natürlich Hertha in der Bundesliga. Die letzte Werder-Niederlage habe ich dort erlebt, als ein gewisser Jaroslav Drobny tatsächlich noch das blau-weiße Tor hütete und das, beim Fußballgott, wirklich nicht schlecht. Hertha der Hauptstadt-Klub, aber irgendwie bekommen sie seit Jahren nicht so richtig was auf die Kette. Einmal Vierter und damit CL-Teilnehmer, dafür freilich hat man rund 100 Millionen verbrannt, Abstieg, Aufstieg, Lucien Favre, Michael Preetz, Pal Dardai, neues Stadion. Das sind die Schlagworte im Westend der Stadt. Aber sportlich muss bei der Mannschaft einfach mehr kommen. Jarstein, Brooks, Grujic, Duda, Selke, Ibisevic, das ist doch Qualität pur.

Hertha, so mein Eindruck, ist derzeit auf dem Werder-Weg. Sie haben endlich eine Truppe zusammen, aus der was werden kann. Und sie stehen am Scheideweg. Und zwar genau an diesem Wochenende. Wie Werder. Das macht Berlin gegen Bremen diesmal so besonders. Und deshalb wird’s voll am Olympischen Platz. Denn der Sieger geht nach Europa. Hand drauf! Mahlzeit!

Zur Person:

Christian Stoll (58) ist seit 1996 Stadionsprecher von Werder Bremen im Weserstadion. Im wöchentlichen Wechsel mit Thomas Eichin, Jörg Wontorra, Lou Richter und Klaus-Dieter Fischer schreibt Christian Stoll in unserer Zeitung, was ihm im Bundes­liga-Geschehen aufgefallen ist.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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