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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Mein Werder

Pokal-Held Tim Wiese: „Ich glaube an den Fußball-Gott“

23.04.2019

Bremen Herr Wiese, Werder spielt zweimal innerhalb von fünf Tagen gegen den FC Bayern – erinnert Sie das an etwas?

Tim Wiese: Nee. (lacht) Na sicher, das waren aber vier Spiele innerhalb von 19 Tagen. Damals, 2009 gegen den HSV, sind wir maximal erfolgreich gewesen.

Vor genau zehn Jahren begannen die Festwochen gegen den HSV. Im Pokalhalbfinale haben Sie im Elfmeterschießen drei Schüsse gehalten und damit für den Finaleinzug gesorgt. War das das beste Spiel Ihrer Karriere?

Es war definitiv eins der geilsten. So etwas wird es wohl nie wieder geben, vier Spiele innerhalb so kurzer Zeit gegen den größten Konkurrenten, mit all der Rivalität auf verschiedensten Ebenen. Ich hatte eine große Fresse vorab, habe dann aber meinen Worten Taten folgen lassen. Das war ein grün-weißer Moment für die Ewigkeit.

Haben Sie gehofft, dass Werder im Pokalhalbfinale erneut gegen den HSV spielen muss?

Ja sicher, das haben wohl alle Fans beider Klubs. Da wäre ich hingefahren und hätte es mir angeschaut.

Trauen Sie Werder-Keeper Jiri Pavlenka zu, in einem möglichen Elfmeterschießen gegen Bayern ebenfalls zum Helden zu werden?

Er hat doch für Werder schon ein Elfmeterschießen gegen Dortmund gewonnen, als er zwei parierte. Gegen Bayern traue ich ihm das auch zu.

Die Auslosung hätte besser laufen können für Werder. In der Liga hat Werder 0:1 beim FC Bayern verloren, was für ein Spiel wird die Partie im Pokal?

Ein schwieriges, aber auch ein super Spiel. Es ist gut, dass Werder zu Hause antreten kann. Und in der aktuellen Lage, in der wir sind – oder in der Werder ist –, kann da etwas gehen. Leichter wäre es natürlich gegen den HSV gewesen, Werder ist ja klar besser. Ich verfolge den HSV so ein bisschen, das ist eine klassische Zweitligatruppe. Die müssen aufpassen, dass sie den Aufstieg nicht vermasseln. Viele Patzer können die sich jedenfalls nicht mehr leisten.

Seit 31 Jahren ist Werder im Pokal im Weserstadion ungeschlagen, 1988 gab es die letzte Niederlage: 0:1 gegen Frankfurt. Damals haben Sie noch mit Playmobil gespielt. Hat eine so lange Serie eine Bedeutung für das Spiel gegen Bayern?

Daran denken werden die Spieler bestimmt. Man macht sich ja viele Gedanken, wenn man so lange im Hotel rumhängt. So ein Tag dauert ewig, angepfiffen wird erst um 20.45 Uhr. Und der Trainer spricht es sicherlich auch an. Ich glaube ja an den Fußball-Gott: Wenn eine Serie 31 Jahre hält, hat da eine höhere Macht die Finger im Spiel.

Über einen Pokalsieg kann Werder sich in nur noch zwei Spielen für die Europa League qualifizieren, oder aber über die Bundesliga. Setzt man als Spieler Prioritäten?

Ganz sicher nicht. Wer im Halbfinale steht, will nach Berlin und den Pott gewinnen. In der Liga ist jetzt ebenfalls jedes Spiel wichtig, die Tabelle ist ja sehr, sehr eng.

Ist das am Mittwoch eine wichtige Voraussetzung für Erfolg: mit Mut auflaufen?

Auf jeden Fall sollte man es nicht wie Thomas Eichin machen, der mal vor einem Spiel gegen Bayern sagte, dass er sowieso nicht damit rechne zu gewinnen. Das ist absoluter Unsinn! Man muss daran glauben, dass in jedem Spiel etwas geht.

Ist es denn eine günstige Situation, auf den FC Bayern München zu treffen, weil die Mannschaft in dieser Spielzeit doch einige Probleme hat?

Na ja, was heißt Probleme? Andere Mannschaften haben eben auch viel gewonnen. Sie haben sicherlich nicht so konstant gepunktet wie in der Vergangenheit, aber solche Phasen gibt es, wenn ein Klub sich im Umbruch befindet: neuer Trainer, Verletzungen, viele ältere Spieler im Kader, Unruhe im Verein, das gehört dann dazu. Sie werden die Mannschaft im großen Stil verändern. Qualität hat Bayern ganz sicher immer noch.

Es war auffällig, wie viele Informationen im Laufe der Saison immer wieder aus der Kabine der Bayern an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Was sagt das über den Zustand der Mannschaft aus?

Das passiert doch überall! Es werden Spieler sein, die beleidigt sind, dass sie nicht berücksichtigt werden. Der ruft dann seinen Berater an, der es wiederum an Journalisten durchsteckt. Provozierender finde ich, dass Jerome Boateng eine Party nach dem Spiel gegen Dortmund veranstaltet hat. Nach einem Spiel, in dem alles Mögliche hätte passieren können. Was, wenn Bayern 0:5 verloren hätte? Als Präsident hätte ich das verboten. Und wenn er doch feiert: 200 000 Euro Geldstrafe – fertig!

Sie hätten das als Spieler nicht gemacht?

Ich wäre nicht mal auf die Idee gekommen! Erst mal spielen. Wenn du gewinnst, kannst du rausgehen. Wenn es schlecht läuft, natürlich nicht. Vor drei, vier Jahren war ich beim Freimarkt abends in Halle 7. Wen treffe ich da? Die komplette Werder-Mannschaft, die zuvor verloren hatte. Da bin ich fast vom Hocker gefallen. Ich habe Torsten Frings, damals der Co-Trainer, gefragt, was das denn ist. Er sagte: „Die Zeiten haben sich geändert.“ Dann habe ich wohl was verpasst, habe ich geantwortet. Das ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Fan, wenn er Spieler nach einer Niederlage feiern sieht. Das geht gar nicht! Oder sehe ich das als Einziger so?

Was bedeutet es, dass Bayern Boateng seine Party nicht untersagt hat?

Dass den Verein seine Freizeitgestaltung nichts angeht. Da darf er machen, was er will, verbieten lässt sich da ja nichts, das geben die Verträge nicht her. Vermutlich ist das Kind eh schon in den Brunnen gefallen. Boateng spielt sportlich nahezu keine Rolle mehr, er sitzt ja fast nur noch auf der Bank oder ist verletzt. Vermutlich haben beide Seiten abgeschlossen und das war’s. Dann geht auch so eine Party.

Boateng, Thomas Müller und Mats Hummels wurden von Joachim Löw aussortiert. Kam das überraschend für Sie?

So wie das gelaufen ist, muss da etwas vorgefallen sein. Da gab es ja scheinbar keine Absprache oder die Möglichkeit für die drei, aus eigener Entscheidung zurückzutreten. Wie das abgelaufen ist, das war peinlich für alle Seiten. Die drei sind Weltmeister geworden mit Deutschland, dann macht man das nicht auf diese Art. Deshalb glaube ich, dass da im Vorfeld irgendwas passiert ist.

Werder macht einen gegenteiligen Eindruck, Verein und Mannschaft sind eine homogene Einheit. Gibt es jemanden, der Sie besonders beeindruckt?

Dass Max Kruse noch einmal einen solchen Schub bekommt, habe ich nicht gedacht. Und Maximilian Eggestein. Den habe ich zunächst nicht so richtig ernst genommen. Ich dachte, das ist einer von den vielen jungen Spielern, wie Werder sie zu meiner Zeit hatte. Die haben damals ihre Nike-Schuhkartons aufeinandergestapelt, weil sie stolz waren, Schuhe zu bekommen. Neben mir in der Kabine saß Florian Trinks, der hat das auch gemacht. Irgendwann habe ich mal schön gegen seinen Stapel getreten, die ganzen tollen Kartons sind durch die Kabine geflogen. Aber Eggestein spielt richtig gut, und klar im Kopf ist er auch, nicht abgehoben.

Das Gespräch führte Christoph Sonnenberg.

Tim Wiese (37)

stand im Tor, als Werder 2009 zum bisher letzten Mal den DFB-Pokal gewann, mit 1:0 gegen Bayer Leverkusen. Insgesamt spielte Wiese 266-mal für Werder zwischen 2005 und 2012. Anschließend wechselte er nach Hoffenheim. Bei der WM 2010 und der EM 2012 gehörte er zum Kader der deutschen Nationalmannschaft. Wiese lebt mit seiner Familie in Bremen.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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