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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Mein Werder

Rashica: „Bevor ich laufen konnte, bin ich gerannt“

15.03.2019

Bremen Herr Rashica, Sie werden auch „Rakete“ genannt. Warum sind Sie so schnell?

Milot Rashica: Das wurde mir anscheinend in die Wiege gelegt. Ich habe das nicht speziell trainiert. Aber als ich ein kleines Kind war und angefangen habe zu laufen, bin ich sofort losgerannt. Das hat mir meine Familie jedenfalls erzählt. Ich stand auf den Zehen und bin losgerannt, bevor ich normal laufen konnte. Vielleicht kommt die Schnelligkeit daher. Ich war sowieso ein Kind, das viel Bewegung brauchte. Ich liebte es, herumzulaufen und zu rennen.

Da lag es nahe, Fußball zu spielen. Wo haben Sie als Kind im Kosovo gekickt?

Mit sechs, sieben Jahren fing ich an einer Fußballschule namens „Vushtrria 04“ an. Später war ich an einer anderen Fußballschule namens „Forza“ in meiner Heimatstadt Vushtrria. Dann bin ich zum KF Kosova Vushtrria gegangen, dem größten Klub der Stadt. Die Jugendteams dort haben damals jedoch nicht im Ligabetrieb gespielt. Deswegen bin ich in die Hauptstadt Pristina zu der privaten Fußballschule „Kurda“ gewechselt. Fünf Jahre später bin ich zurückgekehrt nach Vushtrria in die erste Mannschaft. Mit 16 Jahren habe ich mein Debüt gegeben. In der ersten Saison verhinderten wir den Abstieg erst in den Play-offs, in der folgenden Saison haben wir die Meisterschaft und den Supercup gewonnen. Für mich und für die ganze Stadt war das eine großartige Sache. Ich bin als junger Spieler in jedem Spiel zum Einsatz gekommen und bin anschließend zu Vitesse Arnheim gewechselt.

In Deutschland beginnt ein Kind normalerweise in einem Verein mit dem Fußballspielen. Warum haben Sie in einer Fußballschule angefangen?

Im Kosovo gibt es sehr viele Fußballschulen. Es gibt natürlich auch Vereine, aber die Fußballschulen in den Städten können einem oft bessere Bedingungen bieten als ein normaler Klub. Diese Schulen werden von erfahrenen Ex-Profis geleitet, und sie nehmen auch am Ligabetrieb im Juniorenbereich teil.

Haben Sie als Kind auch zu Hause oder auf der Straße gekickt?

Für mich gab es immer nur Fußball, seit ich fünf, sechs Jahre alt war. Ich habe viele Cousins. Immer wenn wir zusammen waren, haben wir früher Fußball gespielt. Wir hatten einen großen Garten. Dort konnten wir spielen und haben uns selbst Tore gebaut, allerdings haben wir beim Spielen die ganzen Blumen zerstört. Damals war meine Mutter manchmal sauer, aber jetzt sagt sie: Es ist schon okay, ihr habt das Richtige gemacht.

Wie haben Ihre Eltern Sie dabei unterstützt, Fußball-Profi zu werden?

Mein Vater ist Zahnarzt. Er hat trotz seines Berufs immer versucht, sich Zeit zu nehmen, um mich zum Training und zu Spielen zu fahren. Meine Eltern waren sehr wichtig für mich und haben vieles geopfert, damit ich all das hatte, was ich brauchte. Ohne sie wäre ich nicht hier. Ich denke, dass sie heute stolz auf mich sind. Sie besuchen mich oft in Bremen.

Stammen Sie aus einer fußballbegeisterten Familie?

Ja, in meiner Familie mochten wir immer schon Fußball und haben auch viele Spiele im Fernsehen geschaut. Die TV-Sender im Kosovo haben früher Spiele der besten Ligen gezeigt, also aus Deutschland, Spanien, Italien und England. Ich habe daher auch schon Werder-Spiele gesehen, als Spieler wie Diego, Mesut Özil oder Kevin De Bruyne in Bremen spielten.

Wenn Sie über Ihre Kindheit sprechen, klingt das nach einer sehr glücklichen Zeit. Haben Sie denn auch etwas vom Kosovokrieg im Jahr 1999 mitbekommen?

Ich war damals zu jung und kann mich nicht an vieles erinnern. Als ich älter war, habe ich natürlich die Leute darüber reden gehört und Bilder im Fernsehen gesehen. Es war eine schlimme Situation für das kosovarische Volk. Viele mussten das Land verlassen. Ich habe Freunde, die Verwandte im Krieg verloren haben. Jetzt ist der Krieg 20 Jahre her, und wir sind ein freies Land. Der Kosovo ist auf dem richtigen Weg.

Ihr Heimatland ist ein sehr junges Land. Erst seit 2016 ist der Kosovo ein offizielles Mitglied der Uefa und der Fifa. Viele Menschen in Ihrer Heimat sind sehr stolz auf die Fußball-Nationalmannschaft. Wie erleben Sie das als Nationalspieler?

Viele Menschen haben dafür gekämpft, dass wir eine Nationalmannschaft haben. Wir wollen jetzt alle stolz machen. Die Begeisterung ist groß, und die Karten für unsere nächsten Spiele gegen Dänemark und Bulgarien waren in kurzer Zeit ausverkauft. Die Leute im Kosovo sind große Fußballfans.

Wie äußert sich diese Begeisterung, wenn Sie im Kosovo durch die Straßen gehen?

Fast jeder kennt uns. Die Leute möchten dann natürlich ein Foto machen. Erst recht, nachdem wir unsere Gruppe in der Nations League gewonnen haben. Das war etwas ganz Besonderes. Bei jedem Training und jedem Spiel sind Fans. Sie kommen auch zu unserem Mannschaftshotel und unterstützen uns sehr. Der Fußball im Kosovo macht große Fortschritte. Als der Kosovo noch nicht zur Uefa und zur Fifa gehörte, war es schwierig. Das hat sich zum Glück geändert. Inzwischen kommen auch viele Scouts ins Land, und viele junge Spieler wechseln nach Albanien oder Kroatien.

Sie sind im Alter von 19 Jahren vom Kosovo in die Niederlande zu Vitesse Arnheim gegangen. Dabei spielte auch Ihr Berater, der ehemalige Bundesliga-Profi Altin Lala, eine Rolle. Wie wichtig ist er für Sie als Ratgeber?

Er ist sehr wichtig für mich und meine Karriere. Wir sprechen fast jeden Tag miteinander. Er wohnt ja auch in Hannover, also ganz in der Nähe. Ich sehe ihn weniger als Berater und mehr als einen guten Freund. Als wir diese Reise zusammen begonnen haben, wollte er mir einfach nur helfen. Da habe ich noch im Kosovo gespielt. Als ich für die U 21-Nationalmannschaft im Einsatz war, hat er mich zum ersten Mal im Fernsehen gesehen. Danach wollte er mich treffen. Ich denke, er freut sich über meine Entwicklung.

Ihre Entwicklung verlief zuletzt rasant. Mit fünf Treffern in der Liga und einem Tor im Pokal sind Sie Werders erfolgreichster Torschütze der Rückrunde. Besser könnte es kaum laufen, oder?

Ich bin gut ins Jahr gestartet. Jedes Mal, wenn man trifft, gibt einem das mehr Selbstvertrauen. Aber am wichtigsten ist, dass wir die Spiele gewinnen. Wenn wir gewinnen und ich treffe, bin ich natürlich doppelt glücklich.

In den Spielen direkt vor der Winterpause haben Sie noch zahlreiche Großchancen vergeben. Jetzt treffen Sie plötzlich regelmäßig. Was ist passiert?

Neues Jahr, neues Ich. (lacht) Es war eine schwierige Situation im vergangenen Jahr. Ich wollte die Chancen natürlich nutzen, aber manchmal versuchst du alles, doch der Ball geht nicht rein. Jetzt hat sich die Situation verändert. Ich bin mit einem Tor gegen Hannover ins Jahr gestartet. Jetzt bin ich viel freier im Kopf und selbstbewusster am Ball.

Mit Claudio Pizarro haben Sie einen Mitspieler, der in seiner langen Karriere schon sehr viele Tore erzielt hat. Hat er Ihnen geholfen, als der Ball einfach nicht reingehen wollte?

Nachdem ich die Chancen vergeben hatte, kam er immer zu mir und sagte: „Das ist normal, das kann passieren. Du bist im richtigen Moment am richtigen Platz, das Tor wird kommen.“ Und was er gesagt hat, stimmte. Jetzt habe ich die Chancen und treffe öfter.

Sie mussten auch an Ihrem Defensivverhalten arbeiten. Nach dem 1:1 gegen Nürnberg in der Hinrunde verbannte Florian Kohfeldt Sie für zwei Spiele auf die Tribüne, weil ihm Ihre Abwehrarbeit missfiel. Haben Sie daraus gelernt?

Es war am Anfang nach meinem Wechsel zu Werder nicht einfach für mich. Die Taktik war neu, alles war neu für mich. Von Spiel zu Spiel, Training zu Training und Tag zu Tag habe ich viele Dinge gelernt. Ich habe immer besser verstanden, was der Trainer will und wie das System funktioniert. Ich denke, ich habe Fortschritte in der Defensivarbeit gemacht.

Blicken wir auf die anstehende Partie am Sonntag in Leverkusen. Das Hinspiel hat Werder mit 2:6 verloren. Beschäftigt Sie diese Klatsche noch?

Im Hinspiel waren wir nicht gut, aber das wird jetzt ein komplett anderes Spiel. Wir haben gerade gegen Schalke gewonnen und sind hoch motiviert. Wenn wir unser Bestes geben und die richtige Mentalität zeigen, können wir dort gewinnen.

Leverkusen liegt auf einem Europa-League-Platz und hat sechs Punkte mehr als Werder. Welche Bedeutung hat die Partie im Kampf um die internationalen Ränge?

Die Partie in Leverkusen ist für beide Mannschaften von großer Bedeutung. Wir versuchen aber ohnehin, jedes Spiel zu gewinnen. Wir haben schließlich noch Chancen auf Europa.

Die Qualifikation für die Europa League würde auch die Chancen erhöhen, dass Maximilian Eggestein und Max Kruse Werder erhalten bleiben. Bei beiden ist die Zukunft noch ungewiss. Wie wichtig wäre ein Verbleib für die Mannschaft?

Für uns wäre es natürlich am besten, wenn beide bleiben würden. Maxi ist ein sehr guter Spieler und ein guter Junge. Wir sind befreundet, aber am Ende entscheiden er und der Verein. Ich kann da nichts machen. Max ist auch sehr wichtig als Spieler und als Kapitän. Er hilft uns in jedem Spiel.

Müssen sich die Werder-Fans nach Ihren starken Leistungen zuletzt auch Sorgen machen, dass Sie am Saisonende gehen könnten?

Mein Vertrag läuft noch lange. Darüber muss man sich keine Sorgen machen. Ich fühle mich in Bremen wie zu Hause.

Zur Person:

Milot Rashica (22) wechselte im Januar 2018 für eine Ablösesumme von sieben Millionen Euro von Vitesse Arnheim aus den Niederlanden zu Werder. Seitdem absolvierte der Flügelstürmer 26 Bundesliga-Spiele und erzielte dabei sieben Treffer. Für den Kosovo bestritt er bislang 20 Länderspiele.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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