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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Mein Werder

Werder siegt nach Rückstand – Das Spielglück der Tüchtigen

11.03.2019

Bremen Dieses Spiel war ein großes Puzzle gewesen. Werder hatte zwischenzeitlich seine Probleme gehabt, alle Teile richtig zu platzieren, doch am Ende war alles aufgegangen und alles gut gegangen. Lediglich die Miene von Trainer Florian Kohfeldt erweckte um kurz vor Mitternacht den Eindruck, Werder habe nicht 4:2 gegen den FC Schalke gewonnen, sondern 2:4 verloren. „Seht es mir nach“, sagte Kohfeldt, der gerade von der schweren Verletzung des Schalkers Daniel Caligiuri erfahren hatte, mit gedämpfter Stimme. Der Routinier der Königsblauen fällt vermutlich mit einem Wadenbeinbruch monatelang aus. „Natürlich freue ich mich sehr über unseren Sieg“, stellte Werders Trainer klar. „Trotzdem gehört es sich, nicht so triumphierend hier zu sitzen.“

Abgesehen davon passte gedämpfte, keineswegs ekstatische Freude ohnehin ganz gut zu einem Sieg, der an einem Tag ohne entsprechendes Spielglück wohl keiner geworden wäre. Wer sich fragt, was das sein soll, dieses Spielglück, das gerne als Modewort verlacht und je nach Anglizismen-Affinität auch Matchglück genannt wird, der fand am Freitagabend im Weserstadion genügend Anschauungsmaterial. Seine schlechteste Phase überstand Werder mit nur einem Gegentor, statt vorentscheidend in Rückstand zu geraten. „Zwischen der 10. und 30. Minute mussten wir uns bei Pavlas bedanken“, sagte Kohfeldt über die starke Leistung seines Torwarts. Nach dem Unfall in Wolfsburg vergangene Woche trug Jiri Pavlenka ein Nasenpflaster, dessen Ausmaße die alten Haudegen der 90er wie Olaf Marschall glatt neidisch gemacht hätte.

Domenico Tedesco hatte die Bremer nach einem ordentlichen Beginn mit einer taktischen Umstellung auf dem falschen Fuß erwischt. Keine Viertelstunde war gespielt, als Schalkes Trainer seiner Mannschaft eine Mittelfeldraute verpasste und Werders Formation spiegelte. „Das war eines der wenigen Systeme, die sie noch nicht gespielt hatten. Deshalb hatten wir das vorher weniger thematisiert“, gab Kohfeldt zu. Die eigene Hektik und Unordnung beendete Werder von jetzt auf gleich mit dem 1:1.

Videobeweis im Fokus

Bei Max Kruses Flanke hatte Claudio Pizarro knapp im Abseits gestanden und sich leicht in Richtung Ball orientiert, den Milot Rashica letztlich ein wenig unkonventionell verwandelte. „Beim Ausgleich kann man über aktiv und passiv reden, aber da verweise ich auf meine Aussage von letzter Woche. Ich bin großer Fan, das durchlaufen zu lassen“, sagte Kohfeldt. Am vorherigen Spieltag hatte Wolfsburgs Stürmer Wout Weghorst beim zwischenzeitlichen 1:0 im Abseits gestanden und war gemeinsam mit Torschütze John Anthony Brooks zum Kopfball hochgestiegen. Schiedsrichter und Video-Assistent ließen es genauso durchgehen wie nun Pizarros Aktion gegen Schalke. Peter Gagelmann, der ehemalige Bundesliga-Referee aus Bremen, hatte passend dazu zuletzt im Mein-Werder-Interview gesagt: „Wir sind inzwischen auf einem guten Weg, die Finger von 60:40-Entscheidungen zu lassen.“

Auf Stringenz bei der Anwendung des VAR ist trotzdem nicht immer Verlass. Weshalb Werder in der 51. Minute wieder einen gehauchten Kuss des Spielglücks erhielt, als Schiedsrichter Martin Petersen nach dem Gang in die Review Area auf den Elfmeterpunkt zeigte. Kohfeldt befand, dass der Kontakt zwischen Jeffrey Bruma und Kruse ausreichte. „Für mich ist das einer“, sagte er. Ob nun 70 oder 80 Prozent für einen Strafstoß sprachen, bleibt offen, sicherlich aber mehr als 60, weshalb die Angelegenheit wohl klar genug war. Unterm Strich bilanzierte Kohfeldt aber, dass einiges gegen die Schalker gelaufen sei, mit Caligiuris schwerer Verletzung als bitterem Tiefpunkt. „Ich kann da schon mitfühlen, dass die Situation nicht so einfach ist für sie“, sagte Kohfeldt. „Nicht falsch verstehen: Ich freue mich sehr für meine Mannschaft und werde sehr gut schlafen können.“

Es war aus vielerlei Gründen ein ungewöhnliches Spiel. Zum ersten Mal in dieser Saison gewann Werder nach einem Rückstand, kassierte aber auch zum vierten Mal in Folge das 0:1. Da die Partie bereits kurz nach der Pause gedreht war und Rashica mit dem 3:1 früh genug den Vorsprung ausbaute, kam der spezielle Schwur, von dem Kohfeldt berichtete, am Ende gar nicht zum Tragen. Unter der Woche habe er sich mit dem Mannschaftsrat zusammengesetzt, berichtete der Trainer. Auch wenn er nicht glaube, dass es jemals Zweifel daran gegeben habe, sagte sich Kohfeldt mit seinen engen Vertrauten aus der Mannschaft: „Männer, wenn es in der 85. Minute 1:1 steht, dann spielen wir auf Sieg. Dafür stehen wir.“ Selbst wenn diese offensive Haltung schon stark kritisiert worden sei, zum Beispiel nach dem späten 2:3 gegen RB Leipzig.

Schauen auf die Konkurrenz

„Immer nach vorne spielen, den Risikopass dem sicheren Pass vorziehen, das ist unsere Philosophie“, stellte auch Kapitän Max Kruse klar. Die Entstehung der Elfmeterszene, als er mit Rashica einen rasanten Doppelpass inklusive Hacke spielte, passte genauso ins Bild wie das dritte Tor, das Maximilian Eggestein mit einem Dribbling einleitete und mit einer Kopfballablage im Stile eines Mittelstürmers vorbereitete. ​Vielleicht war die Leistungssteigerung auch das Resultat einer innovativen Session in der Halbzeitpause. „Wir haben uns vors Smartboard gestellt, ein paar Videos angeguckt und darüber gesprochen, wie wir besser Fußball spielen“, verriet Kohfeldt bei Eurosport.

Der Sieg gegen Schalke war ein 94-Minuten-Puzzle mit ungewöhnlichen Motiven, das Werder jedoch erfolgreich zu Ende gebracht hat. Und so klingt der Verweis auf all die ungeschlagenen Spiele in Serie auf einmal nicht mehr wie ein Euphemismus für eine Unentschieden-Flut. Drei Siege, fünf Remis – in der Rückrunden-Tabelle ist Werder auf Europa-Kurs. So sah es nach dem Hinspiel-Duell mit dem FC Schalke ebenfalls aus, danach folgten bis Weihnachten sechs Niederlagen in neun Spielen. Was das 4:2 in der Tabelle wert ist, erfahren die Bremer scheibchenweise bis Montagabend, wenn Eintracht Frankfurt den Spieltag beendet. Am Dienstag treffen sich die Spieler dann wieder zum Training – mit drei, vier oder sechs Punkten Rückstand auf die Europa-League-Plätze.​​

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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