• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Mein Werder

Werders Lehren: Die Suche nach zwei Punkten

20.05.2019

Bremen Florian Kohfeldt kennt sich nur zu gut. Er weiß, dass es auch ihm so gehen wird. Vielleicht beim Grillen oder bei einem Strandspaziergang. Oder „auf einer Liege“, wie er sagt, da werde auch er sich „das ein oder andere Mal dabei ertappen, wie ich mich auf die Suche nach diesen fehlenden Punkten mache“. Er kann jetzt schon einige Momente aus dieser Saison aufzählen, wo eine einzige Szene vielleicht ein oder zwei Zähler mehr hätte bedeuten können. Hier ein Pfostentreffer, dort eine Rettungstat auf der Linie. Solche Sachen. „Aber diese Suche nach den beiden Punkten bringt uns nichts“, sagt Werders Cheftrainer.

53 Zähler erreichte sein Team nach 34 Spieltagen. „Das ist ein Brett“, meint Kohfeldt, „darauf können alle stolz sein“. Diese Ausbeute hätte in so manchem Jahr das Ticket nach Europa bedeutet. Diesmal nicht. Maximilian Eggestein erinnert daran, dass „vor der Saison jeder diese 53 Punkte genommen hätte“ und findet es „schade, dass es trotzdem nicht gereicht hat. Damit werden wir sicherlich noch ein, zwei Tage zu kämpfen haben. Aber in der nächsten Saison geht es weiter“.

Und zwar „wieder ambitioniert“, wie Kohfeldt schon eine Stunde nach Abpfiff des letzten Spieltages ankündigte. Auch wenn er kurz schmunzeln musste, dass sein Führungsspieler Niklas Moisander wenige Minuten zuvor bereits so trotzig wie angriffslustig „Europa“ als Ziel für die Saison 2019/20 ausgerufen hatte. Kohfeldt: „Das ist das Privileg als Spieler, da kann man sehr impulsiv Aussagen treffen. Als Trainer sollte man sich zurücknehmen. Wir werden es halten wie im vergangenen Jahr: Wir werden den Kader zusammenstellen und uns dann ein ambitioniertes, aber durchaus auch realistisches Ziel setzen.“ Denn eines müsse man im Rückblick klar sagen, betont der Trainer: „Dieses Ziel Europa war nur in ganz wenigen Momenten eine Belastung für uns, in vielen Momenten war es ein Ansporn, immer wieder zurückzukommen.“

Zu viele Punktverluste gegen Kellerklubs

Dass es denkbar knapp nicht reichte, lag vordergründig an zwei Faktoren. Zum einen daran, dass Werder am letzten Spieltag von der Konkurrenz abhängig war. Hoffenheim patzte tatsächlich wie erhofft in Mainz, dafür kam Augsburg aber überraschend deutlich mit 1:8 in Wolfsburg unter die Räder, was alle Bremer Hoffnungen zerstörte. Kohfeldt nahm dieses Resultat „in der Höhe erstaunt wahr“, sauer auf Augsburg will er aber nicht reagieren. „Wenn man sich wie wir in die Situation begibt, dass man von anderen abhängig ist, dann ist das einfach blöd.“ Das 1:8 müssten „die Augsburger mit sich selber ausmachen“, sagt der Trainer, „von mir wird da nichts kommen“.

Den zweiten Faktor für Werders knappes Scheitern im Kampf um Europa erklärt Moisander so: „Wir haben uns gut entwickelt, aber wir haben das Problem, dass wir gegen Mannschaften wie Hannover und Nürnberg zu viele Punkte verloren haben.“ Wenn man so will, sorgte vielleicht schon der 25. August dafür, dass Werder am Ende vergeblich auf Schützenhilfe hoffen musste. Schon jenes 1:1 am ersten Spieltag gegen den späteren Absteiger Hannover kostete die zwei Punkte, die heute fehlen. Gegen Nürnberg, Stuttgart und Düsseldorf lief es nicht viel besser. Kohfeldt will das zum zentralen Bestandteil der Saisonanalyse in dieser Woche machen, wobei das Hadern „mit einzelnen Ergebnissen nicht hilfreich“ sei. Es geht mehr ums Grundsätzliche. Denn Werder schlug reihenweise Topteams der Liga, ob Leverkusen, Hoffenheim, Wolfsburg, Leipzig, auch Dortmund im Pokal. Kohfeldt: „Ist das eine mentale Sache, weil diese Teams in der Tabelle weiter oben stehen? War da bei den Jungs eine andere Anspannung? Das könnte eine Argumentation sein. Persönlich glaube ich: nein.“

Auch Sportchef Frank Baumann sagt mit Blick auf die fehlenden Punkte gegen die Kellerkinder: „An der Einstellung und der Mentalität hat es definitiv nicht gelegen, denn das hat die Mannschaft gezeigt, dass sie da top ist.“ Deshalb geht die Analyse der Werder-Macher nun tiefer. Kohfeldt will Dinge finden, „die systematisch nicht so geklappt haben. Denn es ist wichtig, dass wir weiter unser Spiel verbessern. Dazu müssen wir sehen, welche Merkmale es uns schwer gemacht haben.“ Eindeutig war es für Werder gegen tief stehende Gegner schwieriger, das lässt sich schon vor der Analyse sagen. Gegen die Spitzenteams der Liga, die agierten und dadurch Räume boten, tat sich die Mannschaft leichter.

Mit Füllkrug neuer Stürmertyp im Kader

Kohfeldt nennt es „die Art und Weise von Fußball“, auf die man besser reagieren müsse, und verweist auf die ersten Veränderungen bei der Kaderplanung, die genau damit zu tun hätten: „Jetzt haben wir Niclas Füllkrug geholt. Da erwarte ich schon, dass wir einen anderen Stürmertypen im Kader haben, als wir ihn bislang hatten.“ Nämlich einen, der im gegnerischen Strafraum Präsenz zeigt und Qualitäten als Abschluss-Spieler in der Box besitzt. Der also hilft, tief stehende Gegner zu knacken und in diesen Spielen mehr Punkte zu holen. Einen Claudio Pizarro in jung, wenn man so will, denn im vergangenen Sommer ließen Werders finanzielle Möglichkeiten es nicht zu, auch diese Lücke im Kader mit einem Spieler zu beheben, der regelmäßig in der Startelf agieren kann. Auch deshalb musste Pizarro viel öfter als gedacht ran, nämlich in 26 Spielen. Oft kam er nach der Pause, um eine Partie noch zu drehen.

Wobei Kohfeldt aber wichtig ist, diese verständliche Streben nach Mehr und nach Besser und Weiter schon lange vor dem Start der neuen Saison zu relativieren: „53 Punkte – das ist schon eine stolze Zahl. Wir bewegen uns jetzt so langsam auf einem Niveau, wo wir keine großen Sprünge mehr erwarten dürfen. Aber wir werden trotzdem weiter an uns arbeiten.“ Denn Profifußball ist letztlich ein gnadenloser Ergebnissport. „Wir müssen einfach schauen, dass wir nächste Saison noch mehr Punkte holen“, meint Baumann, „aber das wird nicht leicht“. Zunächst überwiegt jedoch der „Stolz auf diese Saison und all ihre besonderen Momente“, wie Moisander betont: „Man darf nicht vergessen, dass wir die letzten beiden Jahre im Abstiegskampf waren. Es war ein Schritt nach vorne. Wir haben nie aufgehört, immer unser Bestes gegeben.“

Gästetrainer Ralf Rangnick hatte vor der Partie im Interview mit Mein Werder erklärt, Werder und das gesamte Umfeld seien in dieser Saison „wach geküsst“ worden. Ein stimmiges Bild. Deshalb unterstreicht auch Baumann nach Abpfiff der Spielzeit: „Wir können dennoch zufrieden sein mit der Saison, wie wir zusammengehalten und bis zum Schluss um unser Ziel gekämpft haben. Die Mannschaften, die vor uns rangieren, haben mehr und größtenteils sehr viel mehr Möglichkeiten. Wir müssen einfach weiter hart arbeiten. Wir werden uns richtig gut vorbereiten und nächstes Jahr wieder angreifen.“ Damit es, wenn möglich, nicht mehr an zwei fehlenden Pünktchen liegt, ob man feiern darf oder eben nur stolz sein kann. Und man auch nicht mehr darauf angewiesen ist, dass die Konkurrenz am letzten Spieltag eben nicht mit 1:8 untergeht.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

MEINWERDER.DE
Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.