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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Mein Werder

Die vorübergehende Abkehr vom Hurra-Fußball

05.03.2019

Florian Kohfeldt hatte sich noch einmal bei seinen Analysten erkundigt und erfahren: Das Chancenverhältnis betrug 9:6 für Werder. Der Trainer hatte sich diese Information in weiser Voraussicht besorgt, denn er wusste genau, welchem Vorwurf er sich am Sonntagabend nach dem 1:1 in Wolfsburg stellen musste. Seine Mannschaft hatte nämlich rund eine Stunde lang ungewohnt passiv agiert und sehr tiefstehend verteidigt. Keine Spur war zu sehen von diesem rauschhaften Offensivfußball, für den Werder unter Kohfeldt wieder steht. Der Trainer bat dafür interessanterweise um Verständnis, indem er ein Plädoyer für Angriffsfußball hielt: „Ich stehe mit Leib und Seele für Offensivfußball, für nichts anderes. Ich liebe solche Spiele, die hin und her gehen. Über eine Saison musst du aber auch mal über andere Dinge in Tempoaktionen kommen als über Ballbesitz.“

Gegen Wolfsburg sollten vor allem Umschaltaktionen für Gefahr im Angriff sorgen. Bei gegnerischem Ballbesitz stand Werder so tief hinten drin wie lange nicht und verteidigte in einer 4-5-1-Grundordnung. Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia wertete diese ungewohnte Formation später als Kompliment für sein Team. Tatsächlich hatten die Bremer die Variante vor allem aus Respekt vor Wout Weghorst gewählt. Die gefährlichen Chipbälle auf den 1,97 Meter großen Mittelstürmer wollten sie verhindern, was auch klappte. „Das Risiko wäre zu hoch gewesen, wenn wir hoch angelaufen wären“, erklärte Kohfeldt.

Kaum Spielanteile

Also entwickelte sich in der ersten Halbzeit ein Spiel mit wenigen Torchancen. Werder verteidigte zumeist sicher, kam jedoch vorne überhaupt nicht zum Zug. „Das Problem war, dass wir mit dem Ball nicht so die Lösungen gefunden haben. Da haben wir die Bälle zu schnell verloren, waren zu hektisch und haben uns nicht gezeigt“, analysierte Sportchef Frank Baumann. Bis auf einen Versuch von Johannes Eggestein, der abgeblockt wurde, war von den Bremern in der Offensive lange Zeit nichts zu sehen. In der ersten halben Stunde besaß Werder nur 35 Prozent der Spielanteile, dabei will Kohfeldt doch eigentlich Ballbesitzfußball spielen.

„Ich würde gerne so spielen. Wenn es die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg erhöht, spielen wir das auch“, sagte Kohfeldt. Hatten zuletzt zum Beispiel Hertha und Stuttgart alles daran gesetzt, einen offensiven Schlagabtausch im Spiel gegen Werder zu vermeiden, wäre es gegen Wolfsburg anders gelaufen. Mit dem Selbstvertrauen aus zuvor vier Partien ohne Niederlage hätten die Wolfsburger wohl mitgemacht. „Aber wir wollten das dieses Mal nicht“, erklärte Kohfeldt.

Sicherheit ging also vor, doch von einer reinen Defensivtaktik wollte der Werder-Coach nichts wissen. „Über eine Saison musst du auch mal über andere Dinge in Tempoaktionen kommen als über Ballbesitz. Bei Werder Bremen wird es nie mein Gedanke sein, nur zu schauen, dass es 0:0 steht und vorne hilft uns der liebe Gott. Der klare Plan ist, wie wir offensiv Fußball spielen“, betonte Kohfeldt. Er wollte, dass die Bremer über Umschaltmomente vor das gegnerische Tor kommen, doch das klappte nicht, weil viele Pässe nicht zum Mitspieler kamen. „Die Räume waren richtig besetzt, aber wir waren unpräzise“, bemängelte Kohfeldt.

Abseitstor von Weghorst

Die Wolfsburger wiederum hatten auch nur wenige Möglichkeiten, waren jedoch näher am Torerfolg als Werder. In der ersten Halbzeit schoss Weghorst ein Abseitstor (15.) und verpasste einmal ganz knapp (38.). Nach dem Seitenwechsel fiel dann der Führungstreffer für die Gastgeber, als John Anthony Brooks nach einem Freistoß völlig frei stand und mit dem Kopf vor Torwart Jiria Pavlenka am Ball war. Brooks hatte sich nicht im Abseits befunden, doch Weghorst, der Pavlenka irritierte, stand dagegen im Abseits. Darüber, dass dieser Treffer zählte, wollte sich bei Werder niemand beklagen, dabei hätte das wohl jeder verstanden. „Grundsätzlich finde ich es richtig, dass solche Szenen nicht abgepfiffen werden“, sagte Kohfeldt fair.

Ohnehin schien der Gegentreffer den Bremern eher gut zu tun. Plötzlich spielten sie nach vorne. So gut sogar, dass sich viele Beobachter fragten, warum die Bremer nicht von Anfang an mehr ins Risiko gegangen waren. „Die Taktik war auf Kompaktheit ausgelegt, was absolut richtig war. Defensiv ist sie sehr gut aufgegangen, wir haben fast nichts zugelassen“, verteidigte Baumann die defensive Ausrichtung der Mannschaft. Echte Chancen erarbeiteten sich die Bremer aber erst, als sie höher pressten und druckvoller nach vorne spielten. Maximilian Eggestein (63.) und Theo Gebre Selassie (64.) ließen Gelegenheiten aus, dann traf Max Kruse zum 1:1 (74.).

Dieses Resultat war das Endergebnis, und es blieb das Gefühl, dass für Werder mit etwas mehr Offensivgeist durchaus ein Sieg drin gewesen wäre. Mit einem Punkt bei den starken Wolfsburgern könne man zufrieden sein, hatte Kohfeldt und Baumann betont. Der eine Zähler hilft in der Tabelle jedoch nicht wirklich weiter. Sechs Punkte sind es für Werder bis zum sechsten Platz, den ersten Europapokal-Rang, bei noch zehn ausstehenden Partien. Angesichts des schwierigen Restprogramms rückt das Saisonziel Europa League in immer weitere Ferne. Davon wollten sie bei Werder aber nichts wissen. „Alles ist im Bereich des Möglichen. Von einer verpassten Chance gegen Wolfsburg würde ich nicht reden. Wir haben noch zehn Spiele vor der Brust. Es sind  noch genug Punkte, die wir holen können“, sagte Kapitän Max Kruse.

Sportchef Baumann räumte immerhin ein, dass Werder mal eine Siegesserie brauche, um in der Tabelle voranzukommen. Leverkusen mache das aktuell vor. Die Bremer dagegen treten auf der Stelle. Erstellt man eine Tabelle der vergangenen 16 Spiele wären sie nur Tabellen-14. Werder trifft zwar weiterhin in jedem Spiel und ist seit der Winterpause ungeschlagen, aber ausgerechnet die Bremer entwickeln sich zu echten Unentschieden-Experten. Dabei betont Kohfeldt gerne, dass seine Mannschaft immer voll auf Sieg spielen soll. Neun Remis stehen trotzdem schon auf dem Bremer Konto, nur Hoffenheim hat mehr. Am Freitag im Heimspiel gegen Schalke zählt nun allerdings ein weiteres Unentschieden nichts. „Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, ist das ein Spiel, das wir unbedingt gewinnen wollen“, forderte Kohfeldt.

Die Wahl zum "Man of the Match" gibt es hier:

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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