• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Englische Siedlungen: Bima will 270 Häuser sanieren
+++ Eilmeldung +++

Lindan-Skandal In Oldenburg
Englische Siedlungen: Bima will 270 Häuser sanieren

NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Mein Werder

Eggestein-Brüder:„Irgendwann hat Mama gesagt: Schleicht euch!“

27.05.2019

Christoph: In unserem Elternhaus gab es einen langen Flur, den wir, sobald unsere Eltern abends weg waren, zum Fußballplatz umfunktioniert haben. An der Decke hingen zwei Glaslampen, die wir manches Mal zu Bruch geschossen haben. Aus Angst vor dem Ärger unserer Eltern haben wir unser Taschengeld mit Tesafilm an die Küchentür geklebt. Was ist im Hause Eggestein zu Bruch gegangen?

Maximilian: Es gab einige Blumenvasen im Garten, die kaputtgegangen sind. Oder Blumenbeete, in die wir reinmarschiert sind, um den Ball zu holen. Am Anfang ist es gar nicht aufgefallen, aber nach ein paar Wochen sind die Buchsbäume dort nicht mehr gewachsen. Irgendwann hat Mama gesagt: Schleicht euch! Dann sind wir rüber zu Oma, in ihren Garten. Als wir da auch einiges kaputt geschossen hatten, sollten wir auf den Sportplatz. Aber wenn Mama nicht da war, haben wir in unserem Garten gespielt, wenn Oma nicht da war, in ihrem.

Christoph: Mit welchen Trikots wir im Garten gespielt haben, verraten wir an dieser Stelle lieber nicht. Was haben Sie getragen?

Maximilian: Ich hatte ein Trikot von Robert Enke. In der Jugend bin ich mal ein Jahr gependelt zwischen Tor und Feld, da war Enke mein großes Vorbild.

Christoph: Sie kommen aus Garbsen. Das liegt bei Hannover, ist man dadurch dann automatisch Fan von Hannover 96?

Maximilian: Wir waren nie heiß auf 96, aber wenn man ein Profi-Training angeschaut hat, ist man nach Hannover gefahren. Mit den Spielen war es auch so, da hat sich 96 eben angeboten.

Mathias: Sie haben sich an Ihrem Bruder orientiert, Johannes?

Johannes: Am Anfang schon. Aber ich habe ein Ailton- Trikot zu Hause, von 2004. Ich war großer Werder-Fan, aber von Bayern habe ich auch das eine oder andere Trikot. Eins von Olli Kahn haben wir, da habe ich die Ärmel abgeschnitten.

Mathias: Waren Sie als Kinder pflegeleicht oder anstrengend?

Johannes: Schon eher pflegeleicht. Wir haben unseren Eltern nicht so viel zugemutet, oder?

Maximilian: Schule war immer ein Thema, das oft ein wenig für Unruhe gesorgt hat. Unseren Eltern war sie wichtig, uns nicht ganz so. Ich habe mal versucht, eine Note zu verheimlichen, was dann rauskam. Insgesamt, denke ich, waren wir schon okay als Kinder.

Christoph: Haben Sie einen gemeinsamen Freundeskreis?

Johannes: Zu Schulzeiten nicht. Ich bin mit zu Maxis Freunden gekommen, um Fußball zu spielen. Mit der Internatszeit in Bremen hat sich das verändert.

Maximilian: Im Internat waren es 19 Jungs auf einem Haufen, da hatten wir bald dieselben, mit denen wir uns verstanden. Jojo und ich waren auf einem Zimmer, da hat es sich ergeben, dass wir immer zusammen waren. So ist es bis heute geblieben: Dass wir die gleichen Freunde haben und immer etwas zusammen unternehmen.

Mathias: Wir haben eine Urlaubsgruppe mit Freunden aus der Jugend. Monatliche zahlen wir einen Betrag ein und fahren alle zwei Jahre gemeinsam weg. So enge Bindungen haben Sie nicht mehr in die Heimat?

Maximilian: Ich bin mit 14, Johannes mit 15 ins Internat nach Bremen gekommen. Alle 14 Tage waren wir mal zu Hause, meist an einem Sonntag. Den haben komplett mit der Familie genutzt, da blieb nicht viel Zeit für Treffen mit Freunden. So hat sich der Freundeskreis immer mehr nach Bremen verlagert.

Mathias: Fahren Sie gemeinsam in den Urlaub?

Johannes: Wir sind mit unserem Vater nach Griechenland gefahren, nach Kos. Unsere Schwester geht noch zur Schule, deshalb ist unsere Mutter zu Hause geblieben.

Christoph: Da waren wir auch mal zusammen, 1987 mit ein paar Freunden.

Johannes: Ist schon eine Weile her. (lacht)

Mathias: Ich bin der Ältere von uns beiden und musste mir das eine oder andere in der Jugend erkämpfen. Länger Fernsehen schauen, länger auf einer Party bleiben. Du konntest dich ins gemachte Nest legen.

Christoph: Bei mir war alles egal. (lacht)

Johannes: Bei uns ist es ähnlich gewesen. Das erste Handy war ein großes Thema, wann man eins bekommt. Wie alt warst du da?

Maximilian: Ich habe mir eine Schlacht geliefert mit unseren Eltern.

Johannes: Ich habe dann irgendwann ein Handy zu Weihnachten geschenkt bekommen, einfach so, ohne dass ich es mir gewünscht habe. Das war die Entwicklung, die sehen wir jetzt auch bei unserer kleinen Schwester. Sie hat es noch ein wenig einfacher.

Christoph: War es ein Problem für Sie, dass Johannes ein Handy einfach so bekommen hat?

Maximilian: Nö, das würde ich nicht sagen.

Johannes: Ha! Ja, ist klar, ist klar. (lacht)

Maximilian: Ich habe es als meinen Job angesehen: Immer wann es etwas mit unseren Eltern zu besprechen gab, wusste ich, Jojo wird es sowieso nicht machen und Anna ist zu klein. Deswegen musste ich hingehen. Irgendwann habe ich mich damit abgefunden.

Johannes: Von mir war das taktisch klug, ich wusste, dass Maxi irgendwann einknickt.

Mathias: Hatte jemand von Ihnen mal das Gefühl, dass der andere bevorzugt wird?

Johannes: Maxi, das ist eher dein Thema, denke ich. (lacht und schlägt dem Bruder auf die Schulter)

Maximilian: Ja, das eine oder andere Mal hatte ich das Gefühl. Da ich als Ältester mir vieles erarbeiten musste, gab es den Eindruck, für die Jüngeren ist es leichter. So ist das Gefühl entstanden, ein Stück weit benachteiligt zu werden. Ich musste zu Papa ins Zimmer und sagen: Ich will jetzt ein Handy haben. Jojo hat es einfach geschenkt bekommen, ohne etwas dafür zu machen.

Mathias: Haben Sie das mit Ihren Eltern besprochen?

Johannes: Ja, Maxi hat das ab und zu mal angesprochen.

Maximilian: Ich habe Jojo gefragt: Hast du auch den Eindruck, dass ich ein Stück weit benachteiligt werde? Da hat er gesagt: Ja, klar, hab ich auch. Dann bin ich zu Mama und Papa und habe gesagt: Ihr benachteiligt mich, sogar Jojo sagt das. Dann sind sie zu Jojo und haben ihn gefragt: Siehst du das auch so? Und dann sagt er: Nö. (lautes Gelächter)

Johannes: Ich glaube, es war nicht der Fall. Unsere Eltern haben sehr darauf geachtet, uns alle gleich zu behandeln.

Maximilian: Rückblickend betrachtet sehe ich das auch so, in der Situation habe ich es damals anders gesehen.

Christoph: Ich habe manchmal die Milchgläser, die unsere Eltern eingeschenkt haben, nebeneinander gestellt und bin durchgedreht, wenn in meinem weniger war.

Maximilian: Das gab es bei uns nicht. Jojo hat ungern Gemüse gegessen. Wenn Mama mal nicht hingeschaut hat, lag das Gemüse schnell bei mir auf dem Teller.

Mathias: Aber Sie haben nicht gepetzt?

Maximilian: Nein, habe ich nicht. Ab und zu habe ich mal gedroht.

Johannes: Bei uns war es immer ein Geben und Nehmen. Manchmal mehr Nehmen von mir. (Gelächter) Wollte Maxi spielen, ich hatte aber gerade keine Lust, habe ich ihm einen Tausch angeboten: Dass ich mitspiele, er dafür beim nächsten Mal mein Gemüse unterm Tisch nimmt.

Christoph: Wie haben Ihre Eltern Ihre Karriere in jungen Jahren begleitet? Unser Vater war Pastor, am Wochenende hat er fast immer gearbeitet und konnte selten zuschauen. Waren Ihre Eltern immer am Platz?

Johannes: Sie waren sehr oft dabei, auch bei Auswärtsspielen. Vor allem haben sie viel dafür geopfert, uns zum Training zu bringen und abzuholen. Selbst heute sind sie oft bei Heimspielen im Stadion, manchmal auch auswärts. Auch unser Opa hat uns unterstützt.

Mathias: Unsere Mutter schneidet bis heute hin und wieder Texte von uns aus und hängt diese in die Küche. Haben Ihre Eltern Zeitungsausschnitte gesammelt?

Maximilian: Wir waren 12, 13, da hat das angefangen. In der Leine-Zeitung, die erscheint in Garbsen, waren kleine Sportartikel über die Mannschaften, in denen wir gespielt haben. Über Jojo wurde häufiger geschrieben, wenn er ein Tor geschossen hat. Ich musste etwas Besonderes machen, um auch mal drin zu stehen.

Christoph: Wir haben einen ähnlichen Kleidergeschmack, was früher zur Folge hatte, dass der eine auch Klamotten des anderen getragen hat. Haben Sie Kleidung geteilt?

Maximilian: Da war ich im Vorteil des Älteren, ich habe meistens die neuen Sachen bekommen. Und Jojo musste sie auftragen.

Mathias: Sind Sie zusammen shoppen gegangen?

Maximilian: Als wir älter wurden, also cooler, gab es von der Tante oder dem Onkel als Geschenk eine Shopping-Tour. Heute müsste ich erst mal überlegen, wann ich das letzte Mal shoppen war. Wenn ich etwas brauche, gehe ich los und kaufe es. Eigentlich fehlt mir die Geduld dafür.

Johannes: Ich fahre ganz gerne einkaufen, in Bremen, Hamburg oder Hannover.

Mathias: Maximilians Karriere hat irgendwann Fahrt aufgenommen. Wie war es für Sie zu sehen, dass Ihr Bruder den Schritt in die Bundesliga geschafft hatte? Gab es da so etwas wie Neid?

Johannes: Neid nicht. Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich das auch hinkriege, ob ich das schaffe. Eher habe ich davon profitiert, das ist vielleicht wieder dieses Ältere-Bruder-Ding. Vieles hatte Maxi schon erlebt, er konnte mir den einen oder anderen Tipp geben. Dadurch war ich ruhiger in manchen Situationen oder wusste, dass es nicht so schlimm ist, dass Maxi das auch durchgestanden hat. Zugleich war es Ansporn, es auch zu schaffen, weil ich gesehen habe, wie toll das ist.

Christoph: Zunächst stand Johannes als großes Talent im Mittelpunkt, es gab Angebote von Manchester United, Bayern München. Wie war das als älterer Bruder?

Maximilian: Unsere Eltern haben versucht, das von uns fernzuhalten. Und Jojo hat es nie raushängen lassen, dass er groß in den Medien war. Ein Problem war es nicht.

Christoph: Ich habe beruflich sehr viel gelernt von meinem Bruder, auch weil ich viel gefragt habe. Sind Sie als Älterer ein Ratgeber für Johannes?

Maximilian: Jojo hat nicht so viel nachgefragt, er hat vieles miterlebt und dadurch gelernt.

Christoph: Haben Sie davon profitiert, dass Maximilian bereits akzeptiert war und Sie dadurch automatisch von Beginn ein gewisses Maß an Respekt bekommen haben?

Johannes: Als ich zu den Profis hoch kam …

Maximilian: … bin ich zur U 23 runter … (lacht)

Johannes: Maxi hatte da noch nicht so viele Spiele oder eine wahnsinnige Akzeptanz, dass er mir hätte weiterhelfen können. Und jetzt, wo er so weit ist, habe ich meinen eigenen Weg gefunden. Ich war durch ihn ganz gut vorbereitet und konnte mich in einigen Situationen an ihm orientieren, beispielsweise wie ich mich in der Kabine verhalten sollte.

Mathias: Passt Ihr aufeinander auf?

Johannes: Maxi eher auf mich. (lacht) Aber ja, wir passen aufeinander auf.

Maximilian: Früher hat es dich eher genervt. Wir waren mal während eines Urlaubs auf Mallorca in einem großen Freizeitpark, mit vielen Geschäften. Jojo war so ein Kandidat, der immer alles sehen wollte und ist ständig weggelaufen. Ich bin immer hinterher, um auf ihn aufzupassen. Das hat ihn genervt.

Mathias: Als Profi unterliegt man der Gefahr, an falsche Freunde zu geraten. Passen Sie auch in dieser Hinsicht aufeinander auf?

Johannes: Hätte ich das Gefühl, dass es so wäre, würde ich etwas sagen, da sehe ich mich in der Pflicht. Bisher hatte ich das aber noch nie. Wir sind beide Typen, die das ganz gut abwägen können.

Maximilian: Ich kenne Jojos Freunde. Wenn da einer käme, den ich gar nicht kenne, würde ich nachfragen, woher er den kennt und wie das zustande gekommen ist.

Mathias: Wir beide reden sehr oft über den Job, wenn wir uns auf einen Kaffee oder ein Bier treffen. Geht es bei Ihnen oft um Fußball?

Maximilian: Ja, schon. Das ist das, was wir jeden Tag erleben, was uns beide etwas angeht und beschäftigt. Wir reden über das, was wir erleben, das ist meistens Werder. Das ist morgen auch Werder, und was nächstes Jahr passieren wird, ist auch Werder. Sehr viel Werder.

Christoph: Es geht dabei oft um Dinge, die man mit Außenstehenden nicht besprechen kann, da sie sie nicht verstehen.

Maximilian: Exakt, wir beide verstehen die Situation und wissen, was der andere meint.

Christoph: Wie ehrlich sind Sie miteinander? Sagen Sie dem anderen deutlich, wenn Ihnen etwas nicht passt, umschreiben Sie es eher oder schlucken Sie es runter?

Maximilian: Der Termin für dieses Interview ist ein gutes Beispiel. Wir hatten unterschiedliche Vorstellungen, wann wir beide uns treffen wollen. Da hatten wir unterschiedliche Auffassungen und deshalb einen kleinen Disput. Der wurde ganz offen und ehrlich, kurz und knackig ausgetragen, und dann ist gut.

Johannes: Wir sprechen Themen schon offen und ehrlich an. Wir haben aber beide Charakterzüge, die sind einfach da. Und das wissen wir beide. Irgendwann wurden die mal angesprochen, mittlerweile schlucken wir sie einfach runter. Dann ist einer eben mal einen Moment sauer.

Maximilian: Was gar nicht passiert: Wir haben in einer Diskussion beide das Gefühl, recht zu haben, streiten und sprechen anschließend zwei, drei Tage nicht miteinander. Das gibt es nicht. Der Streit wird ausgetragen, und dann ist es okay. Wir würden trotzdem am nächsten Morgen zusammen frühstücken.

Mathias: Wissen Sie, was der andere verdient?

Johannes: Ich weiß es nicht. Und Maxi weiß es von mir auch nicht. Wir wissen eine Tendenz, bekommen das eine oder andere mit, was im Vertrag des anderen steht. Aber nur grob.

Maximilian: Es macht ja auch keinen Unterschied, ob ich es weiß oder nicht.

Johannes: Wir haben das bei unseren Eltern so erlebt. Die haben wir früher oft gefragt, wie viel sie verdienen. Und sie haben gesagt: Über Geld spricht man nicht. Das haben wir für uns so beibehalten.

Christoph: Wir beide treffen uns sehr häufig, das wird vermutlich auch so bleiben, da wir Bremen nicht verlassen wollen. Bei Ihnen beiden wird es wahrscheinlich irgendwann auf eine Trennung hinauslaufen. Wie wäre es, wenn Sie mal nicht mehr diesen engen Kontakt haben könnten?

Maximilian: Es war ja mal zwei Jahre so, als ich schon im Internat in Bremen gelebt habe und Jojo noch zu Hause. Wir fragen uns heute, wie das ging, wie das funktioniert hat. Darüber gesprochen, wie es wäre, wenn wir nicht mehr beieinander leben, haben wir noch nicht. Das passiert, wenn sich die Situation ergibt.

Johannes: Es wird ungewohnt sein, aber es wird irgendwann kommen. Wir wollen ja eigene Familien gründen.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

MEINWERDER.DE
Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.