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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Mein Werder

Hoffen auf den Unersetzlichen

10.01.2019

Es ist das Schicksal der Vereine, die wie Werder Bremen finanziell im Mittelfeld der Liga-Konkurrenz agieren: Fällt ein Spieler aus der ersten Reihe aus, wird es zum Problem, einen geeigneten Ersatz aufzustellen. Während Werder auf den offensiven Positionen in dieser Saison über eine beachtliche Kadertiefe verfügt, erlebten die Grün-Weißen zum Ende der Hinrunde ein Szenario, das Florian Kohfeldt selbst mehr als einmal treffend beschrieb: „Philipp Bargfrede eins zu eins zu ersetzen ist sehr, sehr schwierig“, drückte Werders Chefcoach es aus.

Während zweier Partien hatte Bargfrede in der Hinrunde wegen muskulärer Probleme gefehlt, sechs weitere verpasste der Sechser vor der Winterpause wegen Beschwerden an der Achillessehne. Im Trainingslager in Südafrika soll der Ur-Werderaner, der vor 15 Jahren aus Heeslingen zur B-Jugend der Grün-Weißen stieß, wieder an die Mannschaft herangeführt werden. Überstürzt wird dabei aber nichts: Wie der langzeitverletzte Fin Bartels trainiert Bargfrede oft individuell, auch beim nach 50 Minuten abgebrochenen Test gegen die Johannesburger Kaizer Chiefs wäre Bargfrede nicht zum Einsatz gekommen.

Als Stabilisator dringend gebraucht

Dass Werder den Mittelfeld-Mann dringend braucht, belegen die Zahlen aus den Spielen, in denen er fehlte. Aus diesen acht Partien gab es lediglich acht Punkte – mit Bargfrede holte Werder 14 Punkte aus neun Spielen, der Punkteschnitt lag bei 1,56 Zählern statt bei einem. Ähnlich drastisch zeigt sich Bargfredes Fehlen an den Gegentorstatistiken: Mit Bargfrede kassierte Werder im Schnitt alle 78,6 Minuten einen Gegentreffer, ohne den Defensivspezialisten klingelte es alle 42,9 Minuten im Bremer Gehäuse.

Diese Negativentwicklung ist freilich nicht allein an einer Personalie festzumachen. Mitunter, etwa beim katastrophalen 2:6 gegen Leverkusen, fehlte nicht nur Bargfrede, sondern auch Abwehrchef Niklas Moisander. Noch dazu wurde Werder in der zweiten Hälfte der Hinrunde, als Bargfrede häufiger verletzungsbedingt ausfiel, mit teils deutlich offensivstärkeren Gegnern konfrontiert.

Ohne Bargfrede spielt Werder anders

Dennoch haben die phasenweisen Aussetzer der Werder-Hintermannschaft gerade in der Konterabsicherung auch mit dem Fehlen Bargfredes zu tun. „Defensiv verfügt er über eine unheimliche Präsenz, hat viele Balleroberungen“, beschrieb Kohfeldt das Wirken seines Stammsechsers. Gleichzeitig hatte Werders Chefcoach bereits betont, dass sich durch die Umstellung auf einen anderen Spielertypus im defensiven Mittelfeld gleichzeitig veränderte Anforderungen an die Bremer Achter und Außenverteidiger ergeben. Einer der Gründe dafür ist, dass sich Ersatzmann Nuri Sahin mit seinem Fähigkeitenprofil weniger dafür eignet, große Räume im Mittelfeld zu verteidigen und entsprechend anderer Unterstützung bedarf.

Dabei ist Sahin ein durchaus fähiger Zweikämpfer: 3,6 erfolgreiche Tacklings pro 90 Minuten sind der Bestwert im Werder-Kader, Bargfrede kommt lediglich auf deren 2. Voraus ist Bargfrede seinem Kontrahenten allerdings dort, wo es schnelle Reaktionen benötigt: Sowohl bei den abgefangenen Pässen (2,9 zu 1,6) als auch bei den klärenden Aktionen (3,9 zu 2,6) steht für Bargfrede der deutlich bessere Schnitt zu Buche.

Fähig, nur wenig zukunftsfähig

Die individuellen Fähigkeiten beider Stammsechser sind zweifellos ein Zugewinn für Werder, angesichts der derzeitigen Kaderzusammenstellung ergeben sich allerdings Probleme für die Zukunft. Sahin wie Bargfrede werden die Saison als 30-Jährige beenden. Ein stolzes Alter angesichts der körperlich anspruchsvollen Position, die das Duo bekleidet – besonders vor dem Hintergrund, dass Bargfrede sich mit wenigen Ausnahmen nahezu jährlich mit schwereren Verletzungen plagt und Sahin, der schon mit 16 Jahren den Sprung in die Bundesliga schaffte, in seine 15. Profi-Saison gehen würde.

Dahinter sind die Optionen rar. Maximilian Eggestein hatte zuletzt im defensiven Mittelfeld mitunter den Vorzug vor Sahin erhalten, fehlte dann allerdings als Option für die Achter-Positionen. Einen weiteren „echten“ Sechser gibt es im Kader derzeit nicht – und beide, sowohl Bargfrede als auch Sahin, stehen mit bereits je vier gelben Karten kurz vor einer Sperre.

Keine Konkurrenz aus dem Nachwuchs

Auch in der Jugend findet sich kein Kandidat, der unmittelbar infrage käme. Über Manuel Mbom, der im Test auf der Sechs aushalf, aber in der Regel offensiver spielt, sagte Kohfeldt zuletzt, er sei „kein Kandidat, der in naher Zukunft regelmäßig im Bundesligakader stehen wird“. Und die ebenfalls ins Trainingslager mitgereisten Fridolin Wagner und Ilia Gruev sind entweder ausschließlich für die U23 vorgesehen (Wagner) oder Versprechen für die fernere Zukunft (Gruev), während der in seiner Spielweise eher Sahin ähnelnde Ole Käuper bis 2020 leihweise für den FC Erzgebirge Aue auflaufen wird.

Werder muss also auch in der Rückrunde hoffen, dass Bargfrede weiter fit bleibt. Von der Bank nachlegen kann Werder derzeit mit keinem vergleichbaren Spielertypen – ein Ärgernis, wenn man Bargfrede schonen und dennoch einen Vorsprung über die Zeit retten möchte, was etwa im Heimspiel gegen Nürnberg nach Bargfredes Auswechslung misslang und wertvolle Punkte kostete.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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