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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Mein Werder

Warum Werder die Bayern schlagen kann

19.04.2019

Fünf Spieltage vor Schluss sind die Bayern mal wieder Erster. So wie in den letzten sechs Jahren, und es sollte niemanden verwundern, wenn sie sich am Ende wieder zum Meister küren. Seit dem Aufeinandertreffen mit Werder in der Hinrunde haben die Bayern 15 von 17 Bundesligaspielen gewonnen und in der Zeit neun Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund in einen Zähler Vorsprung verwandelt.

Man kann ohne Übertreibung behaupten, die Bayern haben einen fabelhaften Lauf. Trotzdem ist in dieser Saison etwas anders, denn die Bayern sind wieder irdisch. Und sie sind verwundbar. Die unübersehbaren Motivationsprobleme nach dem Ausscheiden in der Champions League sind überwunden, die Mannschaft ist wieder scharf und bissig. Dennoch bleiben einige strukturelle Schwierigkeiten, die genügend Angriffsfläche bieten für die Gegner. Auch für Werder.

In allen Spielphasen kann Bayern immer noch die beste Mannschaft Deutschlands sein, dafür ist die individuelle Qualität zu hoch und zu überragend. Aus spieltaktischer Sicht sind sie aber nicht mehr das Nonplusultra der Liga, andere Mannschaften sind in Teildisziplinen besser. Das betrifft insbesondere das Spiel mit dem Ball.

Hohes Pressing als Gegengift

Unter Niko Kovac hat sich eine eigenartige Mischung entwickelt aus geplantem Spielaufbau ins Übergangsdrittel, wie ihn Bayern unter Pep Guardiola bis zur Perfektion trieb und einzelnen Sequenzen, die – überspitzt formuliert – an Darmstadt 98 unter Dirk Schuster erinnern. Ein hohes, aggressives und mutiges Pressing haben die Bayern unter Guardiola als Einladung gesehen, sich spielerisch zu befreien und dann im letzten Drittel ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.

In dieser Saison zeigt die Mannschaft bei hohem Pressing schnell Probleme, wird hektisch und unsauber im Passspiel und wählt Notlösungen, etwa den langen Ball in die Spitze. Das kann ein Stilmittel sein, die Bayern besetzten in diesen Situationen die letzte Linie des Gegners selbst mit vier oder sogar fünf Spielern. Ohne großes Risiko wird schnell viel Raum überbrückt und versucht, die Bälle festzumachen oder auf den zweiten Ball zu gehen. Mit Sven Ulreich im Tor, der nahezu jeden Rückpass direkt nach vorne schlägt, dürfte das noch häufiger passieren.

Schlechtes Nachrücken erzeugt ein Mittelfeldloch

Es ist Stilmittel technisch limitierter Teams, bei den Bayern hat es sich jedoch etabliert, da es gut zu Kovac‘ Schlagworten Vertikalität und Aggressivität passt. Es funktioniert aber fehlerhaft, weil die Mannschaft einen Kollateralschaden nicht beheben kann: Die Struktur passt nicht, um geschlossen und kompakt in Ballnähe aufzurücken. Entweder behaupten oder erobern die Bayern den Ball und werden dann tatsächlich nah am gegnerischen Strafraum gefährlich. Oder aber der Ball geht verloren und in den Sekunden danach ist die Mannschaft entblößt und verwundbar.

Die Bayern geben in diesen Phasen das Zentrum auf, ihre Kommandozentrale, ihr Herzstück. Wie eine geteilte Mannschaft mit drei Spielern in der ersten Aufbaulinie und vier oder fünf in vorderster Front ist es für die Mittelfeldspieler in dieser Staffelung fast unmöglich, schnell wieder Balldruck herzustellen und den immens großen Raum im Zentrum zu verteidigen. Immer wieder können gegnerische Spieler in Bayerns Hälfte aufdrehen und den großen Raum attackieren, der vor ihnen liegt. Nicht wenige Gegentore haben die Münchener nach Kontern durch das Zentrum kassiert.

Das Gegenpressing, das in der Regel durch ein sauberes Positionsspiel vorbereitet wird, läuft so ins Leere. Von dem Gegenpressing wie RB Leipzig es aufzieht, ist es qualitativ weit entfernt. Für Werder mit seinen schlauen zentralen Mittelfeldspielern sollte das ein paar interessante Ansätze im Umkehrspiel liefern.

Thiago als Schaltstelle und Angriffspunkt

Bauen die Bayern wie gewohnt auf, also über die Sechser oder die Achter, ist ein Spieler von ganz zentraler Bedeutung. Es gibt nahezu keinen Münchener Angriff aus dem Positionsspiel heraus, in den Thiago nicht eingebunden ist. Thiago gibt den Takt vor, taucht im tiefen Spielaufbau ebenso auf wie in höheren Zonen und spielt Pässe wie kein anderer Sechser in der Liga. Thiago als Anker kann eine Institution sein. Aber: Auch dem Zauberfuß unterlaufen teilweise haarsträubende Fehler. Und mit der permanenten Suche nach ihrem besten Aufbauspieler ist Bayern in gewisser Weise auch ausrechenbar.

Die Bayern greifen sehr flügellastig an, was angesichts ihrer enormen Qualität auf den Außenbahnen logisch erscheint. Während Kingsley Coman ziemlich rigoros an der Seitenlinie klebt, Breite schafft und aus dem Stand so schnell Tempo aufnehmen kann wie kein andere Spieler der Bundesliga, sucht Serge Gnabry sehr clever immer wieder die Innenspur, also nicht außen vorbei am Gegenspieler, sondern innen und dann direkt aufs Tor zu. Unterstützt werden diese Manöver von den sehr hoch aufrückenden Außenverteidigern, die hinterlaufen.

Auch hier sind die Momente bei einem Münchener Ballverlust von entscheidender Bedeutung. Im Rücken der Außenverteidiger sind die Lücken nicht zu schließen, während David Alaba noch ein Auge mehr auf die Defensive legt, prescht Joshua Kimmich gerne weiter mit nach vorne und zeigt dann in Eins-gegen-Eins-Situationen einige Schwächen.

Die Bayern bieten jederzeit etwas an

Zu den üppigen strukturellen Problemen kommt dann noch eine Sache, die man von den Bayern in den letzten sechs, sieben Jahren gar nicht mehr gesehen hat: Die Mannschaft bietet dem Gegner unabhängig vom Spielstand permanent etwas an. Ein Rückstand, gerade in München, war in den Jahren davor quasi gleichbedeutend mit einer Niederlage. Selbst zu Spielbeginn mutige Mannschaften ließen sich davon derart einschüchtern und beeindrucken, dass die Wege zum Tor noch weiter erschienen und die Teams irgendwann alle Angriffsbemühungen einstellten.

In dieser Saison läuft das anders, da können sich die Bayern auch mit einem 2:0 im Rücken nicht sicher fühlen. Selbst bei den Kantersiegen zuletzt gab es Momente, in denen das Spiel noch einmal hätte kippen können. Die Bayern sind vieles, aber sie sind nicht stabil. Und das zeigt sich letztlich auch an der Zahl ihrer Gegentore. Bei den sechs Meisterschaften in Serie hatten die Bayern nach 29 Spieltagen im Schnitt 15,5 Gegentore kassiert. Derzeit sind es schon 29 - also fast doppelt so viele.

Die Umfrage zum Spiel gibt es hier:

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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