• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Mein Werder

Waschechte Knipser und wo sie zu finden sind

20.12.2018

Es war eines der schönsten Werder-Tore der bisherigen Saison: Beim Stand von 0:2 gegen Borussia Dortmund fasste Max Kruse sich nach Zuspiel von Ludwig Augustinsson ein Herz, zog mit dem schwächeren rechten Fuß aus der zweiten Reihe ab und versenkte den Ball mit einem sehenswerten Volley im Netz. Es war Kruses drittes Saisontor – und so sehr es die 8.500 mitgereisten Anhänger in Grün und Weiß auch begeisterte, stand es letztlich doch auch für einen Zwiespalt, der Werder seit Saisonbeginn verfolgt.

Denn: Traumtore der Marke Sonntagsschuss haben bei Werder durchaus System. Mit sechs Treffern aus der Distanz steht Werder gleichauf mit dem BVB an der Spitze der Liga. Kruse, Kevin Möhwald, Milot Rashica, Florian Kainz und vor allem Maximilian Eggestein waren bereits von jenseits des Sechzehnmeterraums erfolgreich. Was nach wie vor wie ein Vorzug der Bremer Spielweise klingt, relativiert sich auf den zweiten Blick: Denn schaut man auf die Tore, die von innerhalb des Strafraums erzielt werden, zeigt sich eine gefährliche Abhängigkeit von Fernschusstreffern.

Im Strafraum nicht europa-reif

Mit nur 18 Treffern aus der gefährlichsten Spielfeldzone steht man als zehntbestes Team zumindest im Mittelfeld der Liga, aber bleibt weit hinter den Top Sechs auf den Europapokalplätzen zurück: Dort ist Leipzig mit 26 Treffern aus dem Strafraum noch die harmloseste Mannschaft in der „Box“. Für einen Verein wie Werder, der mit einem Ballbesitzwert von 53,3 Prozent (der dritthöchste der Liga) verhältnismäßig dominant Fußball spielen lässt, herrscht eigentlich zu wenig Gefahr im gegnerischen Sechzehner – zumal die mit 25 Gegentoren nur dreizehntbeste Defensive kompensiert werden müsste.

Noch dazu könnte Werder die Regression zur Mitte bevorstehen: Laut den „Expected Goals“-Werten (xG), die aussagen, wie hoch die statistische Wahrscheinlichkeit ist, dass aus einer Chance ein Tor entsteht, liegen Werders sechs Fernschusstreffern nur Schüsse im Wert von 2,42 xG zugrunde. Im Klartext: Werder hat in der Hinrunde bislang Glück, dass aus verhältnismäßig kleinen Chancen von jenseits des Sechzehners verhältnismäßig viele Tore entstehen. Häufig gleicht sich derlei im Laufe der Saison jedoch aus – dann könnte sich die vermeintliche Torgefahr aus der Distanz ins Gegenteil umkehren.

Ein Torjäger fehlt

Vergleicht man Werder mit den Konkurrenten in der Liga, fällt eines auf: In Bremen gibt es nicht den einen Spieler, der für Torgefahr sorgt. Besonders nicht im Sturm. Positiv lässt sich das als eine Art Unberechenbarkeit lesen: Ganze elf Spieler, die auf den Achterpositionen im Mittelfeld oder noch weiter vorne zum Einsatz gekommen sind, waren für Werder in dieser Saison schon in einem Pflichtspiel erfolgreich. Umgekehrt lässt sich aber auch sagen: Nur die verletzungsgeplagten Schalker und die Abstiegskandidaten aus Nürnberg und Hannover haben Top-Torschützen in ihren Reihen, die weniger Treffer erzielten als Werders Bester in dieser Kategorie, Maximilian Eggestein (vier Tore).

Schaut man sich die Mittelstürmer im Bremer Kader an, fällt auf, woran das liegen könnte: Kruse ist nominell vielleicht ein Mann für die Spitze, zeigt seine stärksten Partien aber in der Rolle des Spielmachers. Auch Yuya Osako, der Werder im Januar zudem fehlen wird, um den Asien-Cup mit Japan zu spielen, spielt am liebsten um einen zentralen Angreifer herum – in Köln seinerzeit etwa um Anthony Modeste. Auch Johannes Eggestein ist trotz seines Torriechers inzwischen kein klassischer Mittelstürmer mehr, Rashica und Kainz kommen ohnehin eher über die Flügel.

Kein Mittzwanziger in Sicht

Die „klassischen“ Mittelstürmer im Kader heißen: Claudio Pizarro, 40 Jahre. Joshua Sargent, 18 Jahre. Und Martin Harnik – immerhin auch schon 31 Jahre alt, noch dazu über weite Strecken seiner Karriere eher auf der rechten Außenbahn zuhause. Einen waschechten Knipser im besten Fußballeralter sucht man im Werder-Kader vergebens. Möchte Werder die Chancen maximieren, im nächsten Jahr im europäischen Wettbewerb dabei zu sein, könnte es also eine Überlegung wert sein, im Angriffszentrum nachzulegen.

Zwar betonte Sportchef Frank Baumann zuletzt gegenüber „Buten un binnen“, im Winter werde „auf der Einkaufsseite nichts passieren“ – ähnlich hatte Werders Manager sich allerdings auch schon am 30. August dieses Jahres geäußert, um einen Tag später Nuri Sahin als Zugang zu präsentieren. Auch für den Januar ist also nicht auszuschließen, dass Werder sich noch einmal verstärkt. Aber: Welche Spieler mit Potenzial zur sofortigen Verstärkung sind im Winter überhaupt auf dem Markt? Mein Werder hat sich auf dem Transfermarkt nach Optionen umgeschaut.

Variante 1: Das Modell Delaney

Sollte Werder sich dazu entschließen, einen neuen Stürmer zu verpflichten – etwa, weil Fin Bartels‘ Rückkehr ins Teamtraining weiter auf sich warten lässt, Claudio Pizarro vor seiner wohl letzten Halbserie als Profi steht und Florian Kainz angesichts seiner Reservistenrolle im Rautensystem der letzten Spieltage mit einer Luftveränderung liebäugeln könnte – müsste dieser zwei Kriterien in der Kaderstruktur erfüllen: a) müsste er sofort sportlich weiterhelfen, b) dürfte er der Entwicklung von Sturmtalent Sargent nicht zu sehr im Weg stehen.

Ideal wäre wohl ein Werdegang wie bei Thomas Delaney: Der Däne spielte nur anderthalb Jahre in Bremen, stieg allerdings in Windeseile zum Leistungsträger auf und verabschiedete sich mit einem dicken Transferplus nach Dortmund.

Ähnliches wäre auch Paul Onuachu zuzutrauen: Der 24-jährige Nigerianer zählt ebenso wie seinerzeit Delaney seit Jahren zu den Top-Spielern der dänischen Liga. Elf Tore und vier Vorlagen in 17 Spielen erzielte der 2,01 Meter große Angreifer, der trotz seiner imposanten Statur als technisch durchaus beschlagen gilt, während der Hinserie für Meister Midtjylland.

Im Januar möchte der Mittelstürmer die kleine dänische Liga für den nächsten Karriereschritt verlassen. Zuletzt waren Gerüchte um ein Interesse des FC Porto aufgekommen – verbrieft ist hingegen, dass Werder im Sommer 2017 an einem Transfer interessiert war, wegen einer Ablöseforderung über zehn Millionen Euro aber Abstand von einer Verpflichtung nahm. Das bestätigte Onuachu gegenüber nigerianischen Medien später selbst – und schob hinterher, dass er sich „sehr darüber freuen“ würde, bei einem erneuten Angebot nach Bremen zu wechseln. Bis 2020 hat Onuachu noch einen Vertrag in Dänemark.

Ein Vorteil in einem möglichen Ablösepoker: Aufgrund der Ausländerregelung der Premier League kann Onuachu derzeit nicht nach England transferiert werden, da ihm die notwendigen Länderspiele für eine Spielgenehmigung fehlen.

Variante 2: Wie Klaassen, nur zur Leihe

Als Königslösung zur Winterpause gilt oft ein Leihgeschäft: Aufnehmende Vereine können sich kurzfristig verstärken, unzufriedene Spieler können sich für den Sommer in ein besseres Licht rücken und abgebende Vereine entsprechend auf einen höheren Transfererlös sechs Monate später hoffen.

Um echte sportliche Verstärkungen auf diese Weise an Land zu ziehen, müsste Werder allerdings auch in die oberen Regale schauen – beziehungsweise in die prall gefüllten Kader der englischen Premier League. Dort verstärkte man sich im Sommer bereits mit Davy Klaassen vom FC Everton – einem Führungsspieler aus der zweiten Reihe.

Auch für den Angriff finden sich auf der Insel unzufriedene Niederländer, die sportlich durchaus für Werder interessant sein könnten: In der Saison 2015/2016 überragte der noch immer erst 24 Jahre alte Vincent Janssen mit 27 Treffern für AZ Alkmaar in der niederländischen Eredivisie, ist seit seinem Wechsel für mehr als 22 Millionen Euro zu Tottenham Hotspur aber nur noch Reservist. Janssen ist nicht im Rhythmus und nicht der Schnellste – aber ein effizienter Torjäger auf der Suche nach einem Neuanfang.

Ähnliches gilt für Jürgen Locadia, den sich Brighton & Hove Albion im Januar 17 Millionen Euro kosten ließ. Der als spielender Stürmer bei PSV Eindhoven überzeugende, mit 1,85 Metern und einer entsprechenden Physis aber grundsätzlich auch durchsetzungsstarke Locadia konnte sich allerdings nie auf das Spiel des Premier-League-Außenseiters einstellen. „Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich regelmäßig spielen muss“, betonte der 25-Jährige gegenüber „De Telegraaf“ – und zeigte sich offen für einen Wechsel nach Spanien oder Deutschland. Am besten schon im Januar.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

MEINWERDER.DE
Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.