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NWZonline.de Sport Runde Sache

Kolumne „darüber Spricht Die Liga“: Wie lange darf Kohfeldt bei Werder noch verlieren?

03.02.2020

Bremen Frank Baumann hat in dieser Woche eine Botschaft gesendet, die angesichts der verheerend schlechten Saison des SV Werder außergewöhnlich anmutet. „Florian ist und bleibt der richtige Trainer für uns“, sagte der Sportchef über seinen Coach Florian Kohfeldt. Wohl an kaum einen anderen Standort in der Bundesliga würde ein Manager derart bedingungslos hinter einem Trainer stehen, der vor der Saison das Ziel Europapokal anvisiert hat, nun aber dem Abstieg entgegentaumelt.

Baumann und Kohfeldt haben eine innige, vertrauensvolle, freundschaftliche Beziehung. Sie passt perfekt nach Bremen, da waren sich sehr viele Beobachter einig. Und sie wird lange Bestand haben, mutmaßten etliche.

Die Zeit dieser Überzeugung ist nun abgelaufen. Vielmehr steht die Beziehung vor einer Zerreißprobe, an der der zweite Abstieg der Vereinsgeschichte hängen könnte. Baumann muss sich hinterfragen, ob und wie lange er um jeden sportlichen Preis an Kohfeldt festhalten kann. Und der Trainer selbst, der uneingeschränktes Vertrauen genießt, muss ergründen, ob er die Mannschaft so erreicht, wie er es sich vorstellt – oder ob er sogar selbst die Reißleine ziehen muss.

Kohfeldts Statement in eigener Sache nach der Pleite in Augsburg jedenfalls zeigt, dass der Trainer das Gefühl hat, er muss seine Arbeit verteidigen. Ein Coach, der versichert, als Werder-Fan wäre er nicht genervt von sich, kommt mindestens gewöhnungsbedürftig daher. Kohfeldt spürt, dass die Luft medial dünner wird. Einige Erklärungen, wie die Verletztenproblematik, klingen zunehmend nach Ausreden.

Bei aller Sympathie, die Kohfeldt in Bremen genießt, die aber auch langsam weniger wird: Kohfeldts Argumente werden zweifellos immer weniger. Er bekommt seine Abwehr nicht gestellt. Er hat eine Offensive, die nicht funktioniert. Werder hat nicht nur Pech, sondern präsentiert sich seit Wochen wie ein Absteiger. Normalerweise würde an dieser Stelle nun die Phrase kommen, dass dem Trainer letztlich nur Ergebnisse helfen. Aber der Liga-Standort in Bremen ist eben kein ganz gewöhnlicher.

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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