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NWZonline.de Sport Runde Sache

Kolumne Von Rolf Fuhrmann: Als Profis noch Klartext redeten

21.02.2020

Hamburg Hach, was waren das für Zeiten, als Reporter noch alles fragen konnten und manchmal auch tatsächlich Antworten bekamen. Nicht irgendwelche, sondern emotionale, ungeschönte Statements – meistens kurz nach einem Spiel, das aufwühlte, Zorn und Wut hervorrief und für Fußballfans oftmals von hohem Unterhaltungswert waren.

Die Kandidaten, in der Regel als echte Typen charakterisiert, wie Stefan Effenberg, Oliver Kahn, Mario Basler, Max Eberl und selbst Rafael van der Vaart ließen sich da selten lumpen. Allen voran Lothar Matthäus, der, wenn er wollte, das wiedergab, was er dachte – und das war manchmal ziemlich derbe.

Ein Beispiel: 28.August 1999. Der FC Bayern spielt gegen Unterhaching mehr schlecht als recht und gewinnt 1:0. Matthäus, der zuvor erklärt hatte, mir kein Interview zu geben, kam nach dem Spiel wutentbrannt direkt auf mich zu und ließ mächtig Frust ab: „…das ist zum Kotzen…!“ Das Zitat des Spieltages. Ich war im ersten Moment baff, fand es aber kurz danach offen, authentisch und emotional. Ein O-Ton, ehrlich und spontan, etwas, was wir uns alle eigentlich immer wünschen.

Ähnliches passierte im Dezember 2014 nach der Niederlage des Hamburger SV gegen den VfB Stuttgart, als Rafael van der Vaart eine analytische Frage von mir so beantwortete: „Du stellst heute Fragen! Ich weiß nicht, was los ist mit dir. Hast du schlecht geschlafen, oder was?“ Großartig! Ein Fußballer mit Herz, Emotion und auf 180. Schon am nächsten Tag hat er sich bei mir entschuldigt und wir waren fortan beste Freunde.

Damals übrigens konnten wir die Spieler noch direkt ansprechen, nach dem Spiel oder auch nach dem Training, um Neues zu erfahren oder zu fragen, ob sie etwas Zeit für ein Statement oder einen Film hätten. Klappte in aller Regel auch. Doch die Zeiten sind längst vorbei.

Heutzutage laufen alle Anfragen, egal ob vor oder nach dem Spiel, über den Medienverantwortlichen, und das ist längst nicht immer erfolgreich. Zunehmend machen die Clubs ihr eigenes Vereins-TV und blocken oft exklusive Interviews und Filme für sich.

Zudem bieten die Clubs ihren Profis erfahrene Medien-Coaches oder auch Reporter zwecks Schulung im Umgang mit der Öffentlichkeit an, insbesondere natürlich für Äußerungen zum Boulevard und den Fernseh- und Streamingdiensten. Viele der Spieler haben eigene Agenturen, die sie unterstützen und oftmals die gesamte Social Media Arbeit betreuen. Wie dann die Posts auf Facebook, Twitter und vor allem Insta-gram aussehen, spricht für sich. Tolle Bilder, teure Klamotten und flache Sprüche.

Ausgefallene Interviews mit hohem Unterhaltungswert, offen und authentisch – wie zum Beispiel mit Rudi Völler (Weißbier) oder Per Mertesacker (Eistonne) – gibt es selten. Kein Wunder, dass sowas in den Köpfen aller Fußballfans hängen bleibt.

Schade, ich habe immer Emotionen und klare Kante geliebt. Die glattgebügelten Aussagen der allermeisten Profis finde ich ermüdend und ehrlich gesagt, manchmal auch „zum Kotzen“.

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