Ich bin ein Mensch. Dieser Satz scheint klein, er scheint unbedeutend, er wirkt unnahbar. Ich bin ein Mensch, deshalb trage ich die Menschenwürde in mir. Erweitern wir den Satz um seine logische Folge, ergeben sich neue Perspektiven aus ihm, es ergibt sich etwas universelles, beinahe Erhabenes aus ihm.
Durch meine Menschenwürde ergeben sich zahlreiche Rechte, etwa das Recht auf Religionsfreiheit, das Recht auf Meinungsfreiheit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit.
Diese Menschenrechte sind nicht erst entstanden durch die Menschenrechtscharta, sie sind auch nicht erst durch unser Grundgesetz entstanden, diese Menschenrechte sind Folge einer philosophischen Auseinandersetzung über Jahrtausende. Als animal rationale haben wir, damit meine ich jeden Menschen unabhängig von Aussehen, Religion oder anderen Äußerlichkeiten, eine naturrechtliche Ableitung unserer Menschenwürde. Es liegt in der Natur des Menschen, ein Vernunftwesen zu sein und damit die Menschenwürde in sich zu tragen. Weil es in der Natur eines jeden Menschen liegt, kann diese Würde auch niemandem abgesprochen werden. Diese Menschenrechte besitzt jeder Mensch, und jeder Staat muss sie schützen und garantieren. So erklärt es die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen.
Vereint man diese Gedanken, kommt man zum Schluss, dass der Staat dem Menschen dienen soll und nicht der Mensch dem Staat. Leider dienen viele Staaten dieser Welt nur ihrer selbst und ihrer Machtelite. Dies sehen wir derzeit in Hongkong.
Heute ist Hongkong Teil der Volksrepublik China, einer Diktatur, welchedie seit über 70 Jahren von der Kommunistischen Partei Chinas regiert wird. Früher war Hongkong Teil des britischen Imperiums und wurde 1997 an China zurückgegeben. Für die Rückgabe wurden jedoch eine Reihe von Bedingungen ausgehandelt. Diese finden sich im Terminus „One Country – Two Systems“ wieder. Hongkong sei zwar Teil der Volksrepublik, verfüge dennochaber über eine eigene Regierung und eine unabhängige Justiz. Die Realität ist jedoch, dass die Regierung Hongkongs seither durch die Kommunistische Partei (KP) Chinas nominiert wird. Auch die Justiz verliert zunehmend an Unabhängigkeit, so häufen sich Eingriffe durch die KP in den Justizapparat.
Im Gegensatz zur Diktatur Festlandchinas können die Hongkonger das Recht auf Meinungsfreiheit ausüben und haben eine freie Presse. Dennoch stellt sich der Staat über Bürgerinnen und Bürger. So wuchs mit den Eingriffen auch der Widerstand. Zu den zahlreichen Protesten, von den Regenschirmprotesten bis zu jetzigenden Dauer-Demonstration, gingen in Hongkong Hunderttausende Menschen auf die Straßen, um für Demokratie und gegen die chinesische Diktatur zu demonstrieren.
Staatstheoretiker John Locke formulierte früher, dass eine Regierung nur dann legitim ist, wenn sie die Zustimmung der Regierten besitzt. Diese Legitimität besitzt die Regierung Hongkongs nicht, da sie erstens nicht in freien und fairen Wahlen gewählt wurde und sich zweitens gegen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger gewendet hat. Weil die Regierung Hongkongs nicht legitim ist, haben die Hongkonger das Recht, sich dieser Regierung zu widersetzen. Den Hongkongern Hong Kongern wurden Freiheit und Selbstbestimmung genommen. Es droht ein kompletter Verlust ihrer Menschenrechte, denn spätestens 2047, 50 Jahre nach der Rückgabe an die Volksrepublik, läuft die Vereinbarung „One Country – Two Systems“ aus. Es liegt an den Hongkongern, sich aus der Diktatur zu befreien.
Ich bin ein Mensch, deshalb trage ich die Menschenwürde in mir. Und deshalb ist es richtig, dass ich für Demokratie und Menschenrechte kämpfe. Deshalb ist es richtig, dass ich die Demokratie-Demonstrationen in Hongkong unterstütze.
