Oldenburg - In Deutschland herrscht der Sommer und die Ferienzeit ist noch in vollem Gange. Wie selbstverständlich werden wieder Reisen unternommen an die Strände der deutschen Küste und diverse Urlaubshotspots im Ausland, die noch im April scheinbar unvorstellbar waren.

Mit enormen Kraftanstrengungen und immensem Kostenaufwand konnten wir da den ganz großen Krankheitsschock von uns abwenden und die Corona-Infektionszahlen sanken auf einen Stand, der als kontrollierbar bezeichnet werden konnte. In dieser Zeit war vollkommen richtig, dass wir zügig wieder in einen Zustand der Selbstverantwortung und individuellen Freiheit zurückgekehrt sind. Europäische Grenzschließungen wurden aufgehoben, Veranstaltungen konnten stattfinden und wir kamen wieder öfter mit unseren Freunden zusammen.

Autor dieses Beitrages ist Adrian Dittrich (19), Dualer Student der Betriebswirtschaftslehre.

Autor dieses Beitrages ist Adrian Dittrich (19), Dualer Student der Betriebswirtschaftslehre.

Die neue Reisefreiheit nun aber bringt Unverständnis und teils aufrüttelnde Bilder mit sich. Sie wirft die Frage auf, ob uns bewusst ist, was diese Selbstverantwortung bedeutet. Bedeutet sie nicht eben auch, Verantwortung für alle zu übernehmen? Denn mit meinem leichtsinnigen Verhalten gefährde ich im Zweifel nicht nur mich, sondern die gesamte Gesellschaft, die wirtschaftliche Stabilität und unsere momentan labilen Freiheiten – eben all das, was wir im März und April erfolgreich zusammen erreicht haben.

Daher sollten wir uns doppelt fragen, welche Reisen wirklich sinnvoll und nötig sind. Natürlich wünschen wir uns alle wieder die Freiheiten von vor der Corona-Zeit zurück. Aber genau aus diesem Grund ist die kurzfristige Flucht in Floskeln wie „ein bisschen Normalität gönne ich mir einfach mal wieder“ oder das fahrlässige Vertrauen in vage Versprechen von Airlines nicht zielführend. Wer ist wirklich überzeugt, dass die Luftqualität an Bord eines voll besetzten Ferienfliegers mit der in einem OP-Saal zu vergleichen ist?

Wie schnell uns die vermeintliche Sicherheit wieder einholen könnte, zeigen die Infektionszahlen dieser Woche. Und realistisch gesehen kann keiner der Urlaubenden beurteilen, wie weit wir tatsächlich von einem bedrohlichen zweiten Ausbruch entfernt sind. Dabei würde uns das langfristigere Zurückdrängen von Corona und eine Situation mit gut lokalisierbarem Ausbruchsgeschehen ermöglichen, wieder die wirklich wichtigen Dinge zu verfolgen: Bildung und wirtschaftliche Beschäftigung – die Basis unserer Gesellschaft. Natürlich sind Urlaube und Freizeit weiterhin völlig legitim. Nur sollte im Zweifel eben nicht das kurzfristige individuelle Vergnügen vor unserer gesellschaftlichen Verantwortung und Vernunft stehen.