War’s das? Das war’s. Horst Seehofer hat gedroht und gedroht. Angela Merkel hat einfach abgewartet und gewartet und gewartet. Solange, bis sich die Flüchtlingskrise entspannt hat und nur noch wenige über die deutsch-österreichische Grenze kommen. Die Antwort der Kanzlerin auf die Drohung Bayerns mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht, sollten die Grenzen nicht gesichert werden, fällt eindeutig aus.

Die Bedenken der CSU-geführten Staatsregierung gegen ihren Flüchtlingskurs teilt sie selbstredend nicht, verweist auf den politischen Spielraum, den ihr EU-Recht und auch deutsches Recht geben. Merkel zeigt Seehofer die kalte Schulter, hat auf Zeit gespielt, und das Problem mit der Schwesterpartei ausgesessen.

Monatelang haben Seehofer & Co. ihre Klagedrohung vor sich hergeschoben, Ultimaten immer wieder verstreichen lassen. Jetzt, da sich die Situation langsam entspannt, wäre es noch absurder als ohnehin schon, nach Karlsruhe zu ziehen und die Regierung verklagen zu wollen, der man selbst angehört.

Mag der Rückgang der Flüchtlingsströme auch zu einem großen Teil Resultat der Schließung der Balkanroute sein, die die Kanzlerin nicht wollte, so profitiert Merkel jetzt dennoch davon. Der CSU-Chef hat sich verzockt, wird nun nach einem Weg für den geordneten Rückzug suchen müssen. Eine Fortsetzung des Streites der beiden Unionsparteien würde am Ende weder CDU noch CSU dienen. Profitieren würde vor allem die rechtspopulistische AfD.

Seehofer & Co. sollten ihre Klageschrift, sofern vorhanden, in der untersten Schublade verschwinden lassen. Aber womöglich geht es nicht um die Sache und um Krisenbewältigung, sondern um offene persönliche Rechnungen mit der Kanzlerin.