Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Parteien, Macht und Strategie Acht Gebote für Freunde der AfD

Fanboy bei einer AfD-Kundgebung in Dresden
Glossiert

Fanboy bei einer AfD-Kundgebung in Dresden

dpa

Oldenburg - Kaum ein Tag ohne Höchstwerte. Nein, nicht die Temperaturen. Umfragewerte der AfD. In Thüringen liegt sie mit 34 Prozent weit vorn, gleiches in Brandenburg mit 28 Prozent. Im Bund hat sie mit 21 Prozent die SPD überholt. Erfolge bei Personenwahlen in Sachsen-Anhalt und Thüringen runden das Bild ab. Und nun?

Nun dürfte der Aufstieg weitergehen. Die besten Freunde der AfD lassen sich auf die Formel „Ampel+Union+Linkspartei+Umfelder“ bringen. Weidel, Höcke & Co brauchen gar nichts zu tun. Ihre Gegner räumen ihnen durch striktes Einhalten der Acht Gebote für AfD-Freunde den Weg frei:

1. Gebot: Du sollst Märtyrer schaffen (oder Persilscheine verteilen)

Das Thüringer Landesverwaltungsamt prüft die politische Gesinnung des neuen AfD-Landrates von Sonneberg, Robert Sesselmann. Dieser „Demokratiecheck“ ist grandios! Bekommt der Mann einen Persilschein, wird den auch die Partei in Anspruch nehmen. Verweigert man ihm das Amt, weil er durchfällt, treibt man ihr Wähler in Scharen zu. Besser kann man das nicht machen!

Das heißt – es sein denn, man heißt Thomas Haldenwang (CDU) und ist Chef des Verfassungsschutzes. Dann kann man mit einem Satz wie diesem noch eins draufsetzen: „Nicht allein der Verfassungsschutz ist dafür zuständig, die Umfragewerte der AfD zu senken.“ Bravo! Wundervoll! Da hat jemand die Aufgaben eines Geheimdienstes in einer Demokratie verinnerlicht. Die besteht offenbar darin, politische Konkurrenz aus dem Weg zu räumen. Oder vielleicht doch nicht? Egal! In jedem Fall fügt der Mann dem Märtyrerkrönchen der AfD ein Blümlein hinzu. So etwas bringt ein paar Prozente.

2. Gebot: Du sollst Deine potenziellen Wähler zur Sau machen

Ein Gebot für AfD Erfolge, das penibel erfüllt wird. Wir bleiben beim Verfassungsschutz, diesmal dem in Thüringen. Dessen Chef, Stephan Kramer (SPD), traf nach der Sonneberg-Wahl den Ton, wie ihn die AfD mag: „Wir sind bei 20 Prozent braunem Bodensatz in der Bundesrepublik.“ Gut gemacht! Das Gesindel wird sich nun schwer überlegen, ob es jemals etwas anderes als Blau wählt.

Dazu trägt auch Michael Voß, Chef vom Dienst beim öffentlich-rechtlichen MDR, nach Kräften bei. Der fordert auf Twitter: „Boykottiert den Landkreis Sonneberg im Tourismus, in der Wirtschaft und auf allen Ebenen“. Dass sich jemand so hingebungsvoll um die Gebührenzahler im eigenen Verbreitungsgebiet sorgt, ist beachtlich.

Ob der neue Landrat schon ein Dankesschreiben geschickt hat? Also unbedingt viel häufiger „Nazis“ oder „Faschisten“ sagen – dann klappt es mit neuen AfD-Mehrheiten ganz sicher.

3. Gebot: Du sollst Stimmungen konsequent ignorieren

Es war von größter strategischer Klugheit, die Pegida-Bewegung auszusitzen und ihre Anliegen zu ignorieren. Hätte man versucht zu verstehen, was da abläuft, hätte man auf den Gedanken kommen können, seine Politik zu modifizieren. Das hätte wiederum der AfD Stimmen gekostet. Bitte auch in Zukunft weghören, wo es ungemütlich wird!

4. Gebot: Du sollst den Staat zur Beute machen

Probates Mittel, um Protestparteien Wind unter die Flügel zu blasen. In Thüringen verbreitet. Beispiel eins: Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer (SPD) wurde 2015 vom damaligen Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) ins Amt gehievt. Der setzte sich locker über die Bestimmung hinweg, dass der VS-Chef die Befähigung zum Richteramt haben soll. Hat Kramer nicht. Er ist Sozialarbeiter – und Genosse.

Beispiel zwei: Frank Roßner. Der ist Chef eben jener Behörde, die dem neuen AfD-Landrat von Sonneberg den Gesinnungstest verpasst. Roßner (Jahrgang 1960) war bis zur Wende in der SED, also jener Partei, die an Mauer und Grenze Leute abknallen ließ. Er rettete sich in die SPD, wurde Landrat und nach seiner Abwahl mit Posten in der Verwaltung versorgt. Als er 2014 den Sprung in den Landtag verpasste, verpasste man ihm den Posten des Präsidenten des Verwaltungsamtes – ohne Ausschreibung, was damals auch den Rechnungshof irritierte.

5. Gebot: Du sollst so viele Einwanderer wie möglich ins Land holen

Erfolgversprechendes Gebot. Merkels Asylpolitik war schließlich der große Auftakt für den AfD-Erfolg. Ihr „Nun sind sie eben da.“ dürfte für acht Prozent gut gewesen sein. Nur gut, dass es so weiter geht! Es war zum Beispiel eine 1A-Ampel-Idee, den deutschen Pass per Einbürgerungsmarathon zur Ramschware zu machen. Noch besser ist der so genannte „Spurwechsel“ – weil massenhaft abgelehnte Asylbewerber nicht abgeschoben werden (können?), schafft man ein Hintertürchen in die Erwerbseinwanderung. Zum Glück gibt‘s dann im vorpolitischen Raum noch Leute wie die „Wirtschaftsweise“ Monika Schnitzer. Die möchte 1,5 Millionen Leute ins Land holen – pro Jahr.

6. Gebot: Du sollst umstrittene Gesetze durch den Bundestag peitschen

Das Heizungsgesetz der Ampel zum Beispiel. Das über 100 Seiten dicke Ding versuchte die Ampel – husch, husch – durch das Parlament zu drücken – und wurde von den Verfassungshütern gestoppt. Der Fall dürfte für einige Jahre große Freude im AfD-Hauptquartier sichern.

7. Gebot: Du sollst die Leute gängeln

Konsequentes Gendern. Politisierung der Ernährung. Verteuerung und Verteufelung individueller Mobilität. Das sind Zutaten, aus denen Protestparteien Erfolge zimmern. Die Ampel sollte also das Mikromanagement der Deutschen unbedingt noch viel entschlossener betreiben. Geht den Leuten so richtig auf den Sack! Das Private ist politisch! Auch hier sind jede Menge AfD-Prozente drin!

8. Gebot: Du sollst Dich selbst aufgeben

Ein neues Gebot, aus der Taufe gehoben von FDP-Chef Christian Lindner. Der empfahl, „im Notfall“ die Linkspartei zu wählen. Die SED-Fortsetzungspartei also, von der er 2014 sagte, sie solle „keine Kontrolle über ihn (den Staat) haben“. Schöner kann man das AfD-Narrativ, dass doch alle „Altparteien“ letztlich eine Soße seien, nicht bestätigen. Nun ist aber auch die CDU gefordert! Wird sie 2024 Bündnisse mit der SED eingehen? Dann kann Frau Weidel ein Extra-Piccolöchen aufmachen.

Jetzt aber, liebe Parteien, gilt: Dranbleiben! Ihr schafft das! Ihr macht einer blau lackierten Zukunft die Tor‘ so richtig weit!

Lade ...
Dr. Alexander Will
Dr. Alexander Will Mitglied der Chefredaktion (Überregionales), Leiter Newsdesk
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Haben das Demokratiefest am 11. Mai in Schortens aus Sicherheitsgründen abgesagt: die Veranstalter (von links) Detlef Kasig, Axel Homfeldt und Wolfgang Ottens.

SICHERHEITSGRÜNDE Veranstalter sagen Fest für Demokratie in Schortens ab

Jever
Da hofften sie noch auf ein buntes Familienfest (von links): die Initiatoren von „Rock durch die Mitte“ Detlef Kasig (SPD), Axel Homfeldt (CDU) und Wolfgang Ottens (Grüne).

DEMOKRATIE-FEST IN SCHORTENS ABGESAGT Initiatoren sehen Sicherheit am 11. Mai gefährdet

Jeversches Wochenblatt
Schortens
Mit der Legalisierung von Cannabis für Erwachsene wird auch Jugendlichen suggeriert, dass Kiffen in Ordnung ist.

DROGENKONSUM BEI JUGENDLICHEN Die Reifung von Hirn und Emotionen bleibt beim Kiffen auf der Strecke

Anja Biewald
Oldenburg
Die Baskets Oldenburg um Alen Pjanic (links) können in der Tabelle klettern. Vechta und Wes Iwundu fehlen noch ein Sieg im Playoff-Rennen.

ZWEI SPIELTAGE VOR ENDE DER HAUPTRUNDE Das ist für Baskets Oldenburg und Rasta Vechta noch drin

Niklas Benter
Oldenburg
Der Herr der Zahlen bei Kickers Emden: Steuerberater und Vorsitzender Hendrik Poppinga.

WEGWEISENDE VERSAMMLUNG Wichtiges Zukunfts-Votum bei Kickers Emden – Mitglieder kommen Ende Mai zusammen

Lars Möller
Emden