Nun startet sie wieder, die Suche nach einem Gewinner des Deutschen Buchpreises. Gewinner ist genau der richtige Ausdruck, denn recht eigentlich handelt es sich um eine Casting-Show mit intellektuellem Anstrich. Wäre es nicht Literatur, man könnte von Affentheater sprechen.

Über Monate siebt man Autoren aus, veranstaltet ein Bohei ohnegleichen und konzentriert sich dann im Herbst auf den einen Abend, an dem sechs Autoren zittern und am Ende einer jubelt. Das klingt nach Sport, ist aber bloßes Marketing. Das alles wäre noch ganz gut für die Popularisierung von Literatur und zur Unterhaltung, würde man nicht den Wettbewerb mit überflüssigen Anglizismen wie Longlist oder Shortlist wichtigtuerisch aufhübschen.

Nach dem anhaltenden Niedergang des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs, bei dem Autoren authentisch vor einer Jury lesen und beurteilt werden, ist man im deutschsprachigen Raum auf der Suche nach einem guten Ersatzwettbewerb. Er ist noch längst nicht gefunden.