Aiman al-Zawahiri, der Chef des islamischen Terroristen-Netzwerkes al-Qaida, ist tot. Zwei amerikanische Hellfire-Raketen setzten seinem Leben ein Ende. Die Operation ist in dreifacher Hinsicht von Bedeutung.
1. Der Zeitpunkt kommt nicht von ungefähr. US-Präsident Joe Biden ist schwer unter Druck. Seine Beliebtheitswerte liegen inzwischen so niedrig, wie das kaum bei irgendeinem US-Präsidenten der Fall war. Außerdem stehen im Herbst Kongress-Wahlen an. Für Bidens Demokraten sieht es nicht gut aus. Da kommt der Erfolg in Kabul gerade recht. Dort wurde tatsächlich ein Terror-Mastermind der Spitzenklasse ausgeschaltet. Das allerdings dürfte den desaströsen, fluchtartigen und demütigenden Rückzug des Westens aus Afghanistan nicht vergessen machen. Für den war Joe Biden hauptverantwortlich – und ist es damit auch für die Folgen.
2. Al-Qaida ist noch immer aktiv. Auch wenn Corona und der Ukraine-Krieg den islamischen Terror aus den Schlagzeilen verdrängt haben, bleibt diese Bedrohung doch bestehen. Aiman al-Zawahiri war schließlich nicht zur Sommerfrische in Kabul. Al-Qaida hat seinen Fokus schlicht von Europa und den USA auf mutmaßlich lohnendere Ziele verschoben. Das sind die instabilen Regionen Afrikas. Das ist Indien, und das sind auch die gescheiterten Staaten des Vorderen Orients von Libanon über Syrien bis in den Irak. Zudem ist nicht zu vernachlässigen, dass al-Zawahiri eben nicht nur ein gerissener und gewissenloser Terror-Planer war, sondern dass ihm auch als Theologe und Ideologe des politischen Islam höchste Bedeutung zukam und zukommt. Der islamische Extremismus sieht seinen Himmel jedenfalls um einen Märtyrer bereichert.
3. Die afghanischen Taliban sind keine zuverlässigen Partner. Afghanistan ist wieder zu einem Unterschlupf für islamische Terroristen geworden. Genau das hatten Kritiker des westlichen Truppenabzuges immer befürchtet. Besonders beunruhigend sind die Details der Operation gegen Aiman al-Zawahiri. Nicht nur, dass die Taliban-Führung in Kabul wusste, dass der Al-Qaida-Chef sich im Land aufhält – sie gewährte ihm auch noch großzügig Gastfreundschaft. Al-Zawahiri lebte in Kabul im Haus von Sirajuddin Haqqani. Dieser Mann ist zwar offiziell nur Innenminister, wie in jeder Diktatur existieren aber auch bei den Taliban weit wichtigere informelle Netzwerke innerhalb der Machtstrukturen: Haqqani ist der Kopf eines unter den Taliban höchst einflussreichen Netzwerkes und gilt als einer der wichtigsten Stützen des Regimes. Das FBI hat auf ihn ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar ausgesetzt. Die Verbindung zu Al-Qaida pflegt der Talib schon lange: Usama bin Laden war bereits ein geschätzter Gast seines Vaters. Dies alles weist darauf hin, dass die Taliban bewusst die alten Verbindungen zum internationalen islamischen Terrorismus aufrechterhalten und diesen aktiv unterstützen.
Daraus ergibt sich eine Lektion, die sowohl für die USA unter Joe Biden als auch für Deutschland unter Kanzler Scholz Gültigkeit besitzt: Afghanistan, die Taliban, darf der Westen nicht mit einem einzigen Dollar, einem einzigen Euro unterstützen. Das gilt auch für vermeintlich humanitäre Hilfen, die am Ende nur dazu beitragen die Taliban – ein Regime, das den internationalen Terrorismus unterstützt – zu stabilisieren.
Deutschland hat seit der Machtübernahme der Taliban rund 600 Millionen Euro nach Afghanistan gepumpt. Auf einer virtuellen Geberkonferenz im März hat Berlin noch einmal 200 Millionen Euro versprochen. Mit Fug und Recht kann man sagen: Die Ampel, das von den Grünen geführte Außenministerium und letztlich die deutschen Steuerzahler finanzieren auf diese Weise indirekt die Paten des internationalen islamischen Terrors.
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