Die Ergebnisse sind nicht immer ohne Widerspruch. Jeder zweite Deutsche hat Vorbehalte gegen Asylbewerber, so eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Gleichzeitig stimmt aber eine Mehrheit der Befragten der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel vom Herbst 2015 zu. Prozentzahlen sind also nicht alles. Aber die Tendenzen der Studie sind alarmierend: Die gesellschaftliche Mitte erodiert. Für die Demokratie heißt das nichts Gutes. Denn die Mitte ist der Ort, an dem gesellschaftliche Verwerfungslinien ausgeglichen werden.

Besonders auffällig: Die Rebellion der Jugend tendiert jetzt nach rechts. Die linken Bindekräfte schwinden. Unter Gewerkschaftsmitgliedern gibt es laut Studie eine höhere Zustimmung zu rechten Einstellungen als unter Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern. Entscheidend für die neue rechte Welle sei weniger das Einkommen, so die Autoren der Studie, sondern eine gefühlte Abstiegsangst durch Digitalisierung und Globalisierung. Der Titel mit der „Verlorenen Mitte“ ist vielleicht zu alarmistisch gewählt. Aber er rüttelt auf.