An den 26. Oktober 2011 erinnern sich Wirtschaftsförderer und Konversionsexperten noch lange: An diesem Tag verkündete der damalige Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière seine monatelang hinter verschlossenen Türen ausgefeilte Standortreform.

Ausgesprochene Gewinner gab es nur in Ausnahmen, da die Bundeswehr den Gürtel enger geschnallt hatte. Der Aufschrei fiel allerdings unterschiedlich laut aus. Während Delmenhorst, Aurich und andere Standorte stark bluten mussten, atmeten Wilhelmshaven und Oldenburg auf: Wilhelmshaven, weil die Stadt zum größten deutschen Marinestützpunkt aufsteigt, und Oldenburg, weil die Stadt den Sitz der wichtigsten Heeresdivision zugeschlagen bekam.

Gerade im Fall Oldenburg wurde viel über die Gründe spekuliert. Weder Platznot noch konzeptionelle Änderungen hatten einen Umzug des Divisionsstabes unumgänglich gemacht. Für die Kaserne in Oldenburg sprechen Entwicklungsmöglichkeiten. Und dass der einflussreiche frühere Verteidigungsstaatssekretär und ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Kossendey hier seinen Wahlkreis hatte, war der Entscheidung sicher nicht abträglich.

Der Antritt der neuen Bundesregierung Ende 2013 bot den Hannoveranern Anlass, erneut im Bundesverteidigungsministerium zu protestieren. Örtliche Bundestagsabgeordnete warben parteiübergreifend für den Verbleib. Kritische Äußerungen des scheidenden Kommandeurs kürzlich legen nahe, dass sich die Begeisterung über den Wechsel auch im Divisionsstab selbst in Grenzen hält.

Die Verteidigungsministerin schweigt in der Öffentlichkeit eisern. Aus dem, was bekannt wird, lassen sich aber zwei Positionen ableiten: Die Ministerin, die in der Region Hannover lebt, kann nichts gegen den Umzug unternehmen, ohne den Ruf der Neutralität zu verlieren.

Noch wichtiger: Viele Kommunen zwischen Nordsee und Alpen hadern mit Standort-Schließungen. Wenn die Ministerin auch nur an einer Stelle Abstriche zuließe, wäre eine kaum einzudämmende Flut weiterer Wünsche die Folge. Für Oldenburg ist die Schlussfolgerung eine gute Nachricht: Alles bleibt, wie es ist. Und den mehr als 500 Soldaten ist eine freundliche Aufnahme an der Hunte gewiss.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)