Die Debatte um Raubkunst läuft ruhiger ab. Das sah 2012 noch anders aus, als man Cornelius Gurlitts Wohnung in Schwabing durchsuchte und nach ersten Angaben angeblich sensationell viele Werke entdeckt hatte, die unter Raubkunst-Verdacht standen. Mit dem alten Gurlitt sprang man daraufhin um, als sei er Hitlers rechte Hand gewesen, dabei war er nur ein kunstverrückter Erbe.

Um politisch zu beeindrucken, wurde damals in fast militärischer Manier eine „Taskforce“ eingesetzt. Deren Arbeit verläpperte zügig: Nur ein paar Werke wurden als Raubkunst identifiziert. Es gibt sogar Kenner, die sagen, in der Gurlitt-Sammlung seien ungefähr so viele Werke mit belasteter Provenienz wie in jedem Museum. Wie auch immer: Die viel zu lange verschleppte Erforschung von Werken, die Juden geraubt oder abgepresst wurden, muss intensiv weitergehen – wissenschaftlich und besonnen. Eines hat der Fall Gurlitt, wenn auch eher zufällig, erreicht: Das Thema Raubkunst ist in der Gesellschaft angekommen.