Respekt! Papst Franziskus hat im Nahen Osten – einem diplomatisch verminten Gebiet, wie es kaum ein zweites gibt – eine glänzende Figur gemacht. Ihm gelang es, das in Jahrhunderten geschulte diplomatische Geschick der Kurie mit persönlicher Herzenswärme, anrührender Symbolik und tiefer, katholischer Spiritualität zu verbinden.
Zunächst schien die Gefahr groß, der Besuch würde einseitig mit pro-palästinensischer Parteinahme enden. Besonders die Geste an der Sperrmauer in Bethlehem legte das nahe. Der Besuch in Jerusalem stellte das Gleichgewicht her, er dürfte viele Israelis versöhnt haben. Die Messe im Abendmahlssaal und der Überraschungsbesuch bei den Hütern der heiligen Stätten, den Franziskanern, stützte dann deutlich, aber diplomatisch den Anspruch auf christliche Präsenz im Heiligen Land. Franziskus’ Meditation in Yad Vashem schließlich ließ alles Politische hinter sich und wurde zur nachdrücklichen Botschaft des Priesters, des Theologen, der sich bemüht, eine Antwort auf das „Warum?“ unvorstellbaren Grauens zu finden.
