Der Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban bei Helmut Kohl hatte Kontroversen ausgelöst. Allein die Ankündigung, dass Kohl Orban empfängt, konnte schon als Kritik des Altkanzlers an der Flüchtlingspolitik der amtierenden Kanzlerin Angela Merkel interpretiert werden.
Kohl hatte öffentliche Auftritte gemieden. Doch er lancierte Orbans Besuch öffentlich, was nicht der Pikanterie entbehrt, die beide nach dem Treffen herunterzuspielen versuchten. Dass Orban sich nun einig in der Zielsetzung der Merkelschen Flüchtlingspolitik sieht, ist jedoch überraschend, hat Orban doch als Erster sein Land vor den Flüchtlingen abgeschottet und sich offen gegen Merkels Politik der offenen Grenzen gestellt. In Berlin war die Bundesregierung ohnehin bemüht, die Bedeutung des Orban-Besuchs herabzuspielen. Eine weitere Kontroverse könnte dem angeschlagenen Image der Kanzlerin, das auf die CDU abfärbt, ohnehin nur schaden.
