Ausgerechnet der Mann, der in zahlreichen Talkshows mehr Engagement des Staates für neue Schulen und Universitäten forderte, hat ein Teil seines Vermögens am Finanzamt vorbei in die Schweiz gebracht. Uli Hoeneß, der vielen als Inkarnation eines guten Menschen, mindestens aber eines grundehrlichen Kaufmannes galt, hat den Staat um Millionen betrogen. Um welche Summen es genau geht, ist bislang nur zu ahnen. Vermutlich ausreichend, um die eine oder andere Schule neu zu bauen.

Dass sich der langjährige erfolgreiche Manager und heutige Präsident des Fußballclubs Bayern München selbst anzeigte und so die Ermittlungen ins Rollen brachte, macht den Fall nicht um einen Deut akzeptabler. Hoeneß wird für sich kaum in Anspruch nehmen können, unwissentlich dem Rat fieser Finanzhaie gefolgt zu sein, hat er doch in der Vergangenheit immer wieder seine Kompetenz in Sachen Geld und Fiskus betont. Dass er öffentlich gegen die deutschen Steuergesetze wetterte, stieß bei nicht wenigen Fernsehzuschauern auf große Sympathie. Sein offenkundiger Versuch, die als Privatmann erwirtschafteten Millionen zu hinterziehen, kostet ihn seine Glaubwürdigkeit.

Der grantelnde und polternde Mahner Uli Hoeneß ist als Präsident eines renommierten Fußballvereins kaum länger vorstellbar. Das ist sicher tragisch, hat er doch mit Geschick und Engagement seinen Club an die europäische Spitze geführt. Dass seine Steuertricksereien ausgerechnet zu einem Zeitpunkt öffentlich werden, da Bayern München vor dem größten sportlichen Erfolg in der Vereinsgeschichte steht, ist purer Zufall. Die Selbstanzeige ist mutmaßlich dem Umstand geschuldet, dass sein Name auf einer angekauften Steuer-CD auftauchte. Gab es sogar einen Tipp?

Es wird höchste Zeit, dass der Gesetzgeber das Schlupfloch Selbstanzeige schließt. Wer Steuern hinterzieht, ist ein Betrüger. Ob prominent oder nicht. Dass die Opposition im Fall Hoeneß eine Bestätigung für die Ablehnung des deutsch-schweizerischen Steuerabkommens sieht, ist ihr nicht vorzuwerfen. Aber letztlich geht es um mehr: Wie lange noch zahlt Otto Normalverbraucher brav seine Steuern, wenn Prominente wie Hoeneß oder Ex-Postchef Zumwinkel ihr Schwarzgeld bedenkenlos ins Ausland schaffen?