Man muss Joachim Gauck dankbar sein. Immerhin hat er das Wort ausgesprochen und sich nicht davor gedrückt, das Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich vor hundert Jahren, dem weit mehr als eine Million Menschen zum Opfer gefallen sind, als das zu bezeichnen, was es zweifelsohne gewesen ist – ein Völkermord.
Gauck hat dafür gesorgt, dass an diesem Freitag auch im Bundestag das Wort Völkermord nicht nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sollten ihm dafür dankbar sein. Die Art, wie sie versucht haben, den Begriff zu vermeiden, um diplomatisches Ungemach zu vermeiden, war höchst unglücklich. Wenn jetzt Sprecher von türkischen Migrantenorganisationen hierzulande den Deutschen Bundestag davor warnen, eine Resolution zu verabschieden, in der das Wort Völkermord vorkommt, so zeugt dies von einem merkwürdigen Verständnis von Freiheit, Toleranz und Meinungsvielfalt.
Gerade Deutschland und seine Volksvertreter müssen vor dem Hintergrund der eigenen Verantwortung Völkermord klar benennen. Es geht hier nicht darum, für andere die Geschichtsschreibung zu erledigen, sondern darum, Geschichtsklitterung zu vermeiden.
