Oldenburg - Es begann schon 2020: Importeure von Asien-Ware, auch aus Weser-Ems, beschwerten sich über drastisch erhöhte Frachtkosten. Verträge würden nicht eingehalten, neue Preise willkürlich diktiert. Was war da los?

Angeblich waren Container knapp geworden. Die Masse des Warenstroms strebte zudem Richtung USA. Die Wirtschaft dort fasste nach der Corona-Pandemie schneller Tritt als in Europa – und zahlte gut. Auch China saugt Unmengen Material auf.

Dies ist nun aber nur eine von vielen Erklärungen für die Verknappungen und Preissprünge bei Rohstoffen und Bauteilen. Die Sache hat viele Aspekte – und es gibt auch Krisengewinnler. Einige Zwischenberichte von Börsen-Firmen untermauern das.

Allerdings: Das Problem hat sich zusätzlich zum Mangel, der sich beispielsweise bei Baustoffen aus weniger verfügbarem Holz in Kanada und Deutschland ergeben haben könnte, auch noch irrational hochgeschaukelt – eine Art Klopapier-Hamster-Effekt wie 2020. Es wird noch eine Weile schwierig bleiben – bis die betroffenen Produktionsketten quasi wie eine Blutbahn wieder aufgedehnt sein werden.

Wichtig ist es jetzt, die Nerven zu bewahren. Man sollte sich merken, von wem man in diesen Zeiten trotz aller Probleme noch transparent und fair behandelt wird – und von wem nicht. Anständig bleiben, das sollte zwischen Lieferanten und Abnehmern das Gebot der Stunde sein.

Das Pendel wird eines Tages zurückschwingen. In einer Marktwirtschaft sollten sich die Märkte ja wieder ausgleichen – in diesem Fall, indem bestehende Kapazitäten erweitert oder neue Lieferanten in den Markt einsteigen, irgendwann.

Geschieht das nicht, und werden die Preise durch gezielte, dauerhafte Knappheit irgendwo auf der Welt hoch gehalten, dann haben wir es mit einer Systemkrise zu tun.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)