Berlin/Brüssel - Manchmal scheint es schwer, den europäischen Herzschlag im alltäglichen Leben zu vernehmen. Scheint er doch viel lauter in Brüssel zu schlagen, fast 500 Kilometer getrennt von Hannover. Hinzu kommen Krisenmeldungen, schwierige Entscheidungsprozesse und Beschlüsse, die auf den ersten Blick realitätsfern, komplex und unverständlich anmuten.

Für viele Menschen, auch in Niedersachsen, resultiert daraus oft eine Frage: Was macht Europa eigentlich für mich direkt vor Ort? Ein Wort reicht aus, um diese Frage zu beantworten – viel. Viel mehr, als im ersten Moment vielleicht erkenntlich scheint.

Denn nicht nur im großen Ganzen, sondern auch in den kleinen, meist einfachen Dingen verbirgt sich Europa – vom kostenlosen Wlan in Dörfern und Städten über sauberes Trinkwasser und Passagierrechte bei Flugverspätungen bis hin zu einer einheitlichen Notrufnummer in allen Mitgliedstaaten: Beschlüsse, welche vom Europäischen Parlament, dem Rat und der EU-Kommission getroffen werden, haben maßgeblich Auswirkung auf regionaler und auch lokaler Ebene. Kurz gesagt: Sie kommen direkt an der Haustür eines jeden Niedersachsen an.

Beginnen wir mit der Landwirtschaft, einem wichtigen Sektor in dem meist ländlich geprägten Bundesland. Knapp 775 Millionen Euro an Direktzahlungen an die Landwirte sind allein im Jahr 2017 als EU-Förderung nach Niedersachsen und Bremen geflossen. Zudem erhalten die beiden Bundesländer gemeinsam etwa 1,12 Milliarden Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds in den Jahren 2014 bis 2020 für die Entwicklung des ländlichen Raumes. Ausgewählte Regionen können eine eigenständige Regionalentwicklung auf der Basis freiwilliger Kooperationen in den ländlichen Gebieten fördern. Bezuschusst wird auch die ökologische Landwirtschaft. Dass die EU auch in Krisen hinter ihren Landwirten steht, hat die Reaktion auf die Dürre im vergangenen Jahr gezeigt: Direktzahlungen und Zahlungen für die ländliche Entwicklung konnten im Voraus ausgezahlt und landwirtschaftliche Flächen im Herbst flexibler für Zwischenfrüchte genutzt werden.

Neben der Landwirtschaft lebt Niedersachsen natürlich auch von seiner schönen Landschaft, seinen Seen, Wäldern und dem Meer. Diese Flora und Fauna, gilt es zu erhalten – mithilfe Europas. Die Menge an schädlichem Plastikmüll in Ozeanen und Meeren, auch in der Nordsee, wächst stetig. Mit Nachdruck setzt die EU sich deshalb dafür ein, Einweg-Plastikprodukte vom Markt zu nehmen und ökologische Alternativen zu schaffen. Ein Beispiel ist die für die Mitgliedstaaten verbindliche Eindämmung der Plastikflut. Künftig sollen zudem Schiffsabfälle an Land statt auf hoher See entsorgt werden.

Der Wohlstand der Bürger in Europa hängt direkt von unserem gemeinsamen EU-Binnenmarkt ab, in dem Waren zollfrei und ohne Handelsbarrieren in allen Mitgliedsländern der EU verkauft werden können. Auch Niedersachsen profitiert von diesem gemeinsamen europäischen Markt: 2018 gingen mehr als 66 Prozent der Exporte aus Niedersachsen in andere EU-Staaten, fast 60 Prozent der Importe nach Niedersachsen kamen aus der EU. Die Europäische Union schafft damit eine wichtige Bedingung für wirtschaftlichen Erfolg und sichert viele Arbeitsplätze. In großen niedersächsischen Exportbranchen, wie beispielsweise der Automobilindustrie, der Zulieferindustrie aber auch der Ernährungswirtschaft und der Chemieindustrie sind Zigtausende Menschen beschäftigt. Aber nicht nur für den innereuropäischen Handel spielt die EU eine wichtige Rolle für Niedersachsen. Auch von den Abkommen, die die EU mit Staaten in aller Welt aushandelt, profitiert das Bundesland. So ist im Februar das Handelsabkommen der EU mit Japan in Kraft getreten, ein wichtiges Signal an die Welt für die Zukunft des Multilateralismus und einen offenen, regelbasierten Handel. Das Abkommen beseitigt Handelsbarrieren für die Autoindustrie und fast alle Einfuhrzölle für Fleisch und andere Lebensmittel in einem wichtigen Markt mit 130 Millionen Menschen. Das gibt auch niedersächsischen Exporteuren einen Schub.

Viele Chancen bietet die Europäische Union jungen Menschen für ihren Ausbildungs- und Berufsweg. Knapp 3000 junge Erwachsene aus Niedersachsen haben zwischen Juni 2016 und Mai 2018 im Rahmen des EU-Erasmus+-Programmes ihren Weg ins Ausland gefunden. Und mehr als 1800 Studenten und Azubis aus anderen EU-Mitgliedstaaten haben dieses Angebot in Niedersachsen wahrgenommen. Ein Angebot, dessen Nachfrage stetig steigend ist und den Teilnehmern einen neuen Blick auf die Vielfalt Europas bietet.

Wie sich diese Vielfalt in den kommenden Jahren gestaltet, liegt in Ihrer Hand. Das Jahr 2019 ist ein besonderes und zukunftsweisendes in ganz Europa. In weniger als zwei Monaten, am 26. Mai, wird ein neues Europäisches Parlament gewählt, und damit auch die Richtung, die die EU in den kommenden Jahren einschlagen wird. Es gibt unterscheidbare Angebote der Parteien, wie es mit der Europäischen Union weitergehen soll. Nicht nur in Brüssel, sondern direkt vor ihrer Haustür – in Niedersachsen. Darum: Mischen Sie sich ein in die Debatte. Gehen Sie bitte wählen!