• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Karten auf den Tisch!

11.09.2018

Berlin Karstadt und Kaufhof fusionieren. Jahrzehnte wurde über eine Großfusion spekuliert. Jetzt wird sie aus der Not geboren. Um zu überleben angesichts der Internet-Konkurrenz von Amazon und Co. Klar ist schon jetzt: Tausende Arbeitsplätze werden verloren gehen, vor allem bei Kaufhof.

Autorin dieses Textes ist Anja Kohl. Die profilierte Wirtschaftsjournalistin arbeitet für die ARD.

Damit zahlen erneut die Mitarbeiter die Zeche für Fehlentscheidungen diverser Managergarden in der Vergangenheit. Die Internetkonkurrenz ist nur der letzte, wenn auch entscheidende Faktor. Die österreichische Immobilien-Holding Signa wird beim neuen Warenhaus-Giganten den Ton angeben. Hinter Signa steht der Immobilienmogul René Benko. Er ist schon Haupteigner von Karstadt, versiert im Kauf und Verkauf von Immobilien. Zahlreiche Karstadt-Häuser hat Benko nach der Übernahme gewinnbringend versilbert. Ihn lediglich als Spekulanten abzutun, wäre aber zu einfach.

Signa ist mit mehr als 200 Einzelhandelsstandorten vertreten, unter anderem dem KaDeWe in Berlin, zudem mit zahlreichen Online-Shops, unter anderem der Seite für Luxusmode „Mybestbrands“. Signa bringt also Erfahrung mit. Ein vereinter Kaufhof-Karstadt-Konzern mit seinen riesigen Innenstadtflächen ist in der jetzigen Form nicht überlebensfähig. Die Schließung von Filialen ist höchstwahrscheinlich.

Über die Jahre wechselten die Investoren. Nie machten sie glaubhaft klar, wie der Kunde zurückgewonnen werden soll. Die Floskel vom „Erlebnis-Einkauf“ reicht nicht aus. Auch Benkos Signa scheint hier bislang zu schwach auf der Brust. Letztlich geht es darum, die Menschen zurück in die Städte zu bewegen. Raus aus der gelebten Digitalmoderne, rein ins Kaufhaus. Dafür muss man den Gedanken aufgeben, alle mit allem zu versorgen.

Als Kind der 70er Jahre war das samstägliche Einkaufen im Warenhaus mit anschließendem Restaurant-Besuch das Größte. Jetzt gilt es, die Filialen zeitgemäß zum Stadtraum hin zu öffnen als Anziehungspunkt einer gelebten Urbanität, ob Groß- oder Kleinstadt. Sie neu in den Innenstädten zu verankern, als Orte des Besonderen, die sich rumsprechen. Dafür braucht es Sortimentswechsel, doch nicht nur.

Der Möbelkonzern Ikea wagt zurzeit die Rückkehr in die Innenstädte, weil es sehr wohl ein Bedürfnis der unmittelbaren Sichtbarkeit und Erlebbarkeit gibt. Dafür aber braucht es mutige und kreative Investoren, die mehr wollen als nur Immobilen verhökern. Herr Benko, Sie sind dran. Bitte legen Sie die Karten, pardon, Ihr Konzept auf den Tisch.

Weitere Nachrichten:

GALERIA Kaufhof | Amazon | Karstadt | Nordwest-Zeitung | ARD | IKEA

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.