Kinder haben ein Recht auf Bildung. Jedes Kind - unabhängig von Einkommen, Integrationsgeschichte und Gesellschaftsverhältnis – sollte zu Beginn des Bildungsmarathons auf derselben Startlinie stehen. Das wäre der perfekte Zustand – sozial, aber auch wirtschaftlich. Logischerweise wird er niemals erreicht werden. Denn die Realität steht dieser Theorie gegenüber.

Unterschiede entwickeln sich schon mit der Geburt. Wie kümmern sich die Eltern um das Kind? Welche Werte und Normen werden vermittelt? Welche Möglichkeiten (zeitlich wie kognitiv) und Kompetenzen haben sie, um dem Kind Wissen zu vermitteln? In welchem sozialen Umfeld wird das Kind groß? Ein Kind wird vor allem durch die Familie geprägt und entwickelt – und das zu Recht. Das allein bedingt bereits extreme unterschiedliche Voraussetzungen. Doch ab hier sollte die Politik ansetzen und Talente stärker fördern als jetzt.

Die Beherrschung der Sprache ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Schullaufbahn. Deshalb muss hier besonders mit Fokus auf sozial benachteiligte Kinder wie auch Einwanderer dringend eine verpflichtende Sprachlernklasse installiert werden, falls die Sprachkompetenz zum Einstieg in die Grundschule nicht ausreichend ist.

Auch sollten gerade Eltern dieser beiden Gruppen besser mitgenommen werden; durch mehr Information, wie Bildung überhaupt funktioniert und welchen Wert sie haben kann. Denn viele Eltern, die nicht selbst Abitur bzw. studiert haben, wollen gar nicht, dass ihr Kind diesen Weg einschlägt – oft aus Mangel an Wissen. Denn das verursacht anfangs hohe Kosten. Und so wird dem Kind teils in der Schulzeit eingeredet: Geh lieber mit 16 arbeiten und verdiene Geld. Schon ist das Interesse des Jugendlichen nicht mehr vorhanden.

Außerdem ist die zu komplizierte Durchlässigkeit innerhalb der Schulformen ein Problem. Kinder und Jugendliche reifen unterschiedlich schnell. Der spätere Sprung zum Gymnasium muss mehr gefördert werden. Hier sind Lehrer mehr gefragt.

Alles in allem kann es nur darum gehen, die Bildungschancen zum Schulstart auf ein möglichst ähnliches Niveau zu bringen. Gleiche Chancen für alle in jeder Situation sind ein wahlkampfpolitisches Märchen.

Christoph Tapke-Jost