Wenn sich mittlerweile ein ganzer Berufsstand als Sündenbock für alles, was in diesem Land nicht rund läuft, fühlt, dann stimmt etwas grundsätzlich nicht. Zwar geben vor allem jüngere Landwirte zu, dass in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ihre Zunft in Sachen Umweltschutz und Ökologie auch geschludert hat. Stichworte: Überdüngung und Pestizideinsatz. Aber es habe sich einiges getan in Sachen Umweltschutz. Eben auch in der Landwirtschaft, sagen die beiden Wiefelsteder Bauern Heiko Siemen und Hauke Helmers. Siemens Sohn Hendrik absolviere gerade sein erstes Jahr auf einem Lehrbetrieb. Wenn der Vater die Frage seines Sohnes, ob er den elterlichen Betrieb übernehmen solle, aktuell weder mit Ja noch mit Nein beantworten kann, ist für Außenstehende wirklich nachzuvollziehen, wie prekär die Lage auf dem Land sein muss.
Auf den Flyern an den grünen Kreuzen protestieren die Wiefelsteder Landmänner auch gegen die Praktiken des Einzelhandels. Die Stichworte sind hier: Dumpingpreise von Lebensmitteln und Import von billigen Lebensmitteln. Da liegt dann der Ball ebenfalls im Feld des Verbrauchers. Klar: Es gibt Bevölkerungsgruppen, die auf die Angebote der Discounter angewiesen sind, um über die Runden zu kommen. Es gibt in diesem reichen Land aber auch nicht wenige, die nicht auf den Cent schauen müssen. Dennoch brutzelt dann in der teuren Designerküche das billige Discounterfleisch in der Pfanne.
Jens Schopp über den Protest der Landwirte
