Ein Anschlag auf eine Fußballmannschaft, die gerade zum Spiel abfährt, Zehntausende, die im Stadion in Ungewissheit harren, ein verletzter Fußballer – kann unter diesen Umständen noch Fußball gespielt werden? Die Verantwortlichen haben entschieden, dass das Fußballspiel Dortmund gegen Monaco verlegt wird. Es war keine Spielabsage, sondern eine Spielverlegung um nicht einmal 24 Stunden. Das Beispiel zeigt einmal mehr, in welchen Sphären die Entscheidungen in der Fußball-Champions-League getroffen werden, nämlich an der Kasse. Dass das Spiel irgendwann nachgeholt werden muss, war jedem klar. Die Entscheidung, es am Tag danach anzusetzen, offenbart jedoch eine gewisse Kühnheit. Zu jenem Zeitpunkt konnte noch gar nicht geprüft werden, ob die Sicherheit für Mannschaften und Besucher gegeben war. Dennoch haben sich die Verantwortlichen auf eine kurzfristige Spielansetzung der Partie festgelegt. Auch der Zeitpunkt des Anpfiffs ist verräterisch. Zur ungewöhnlichen Zeit zwei Stunden vor dem üblichen Spielbeginn wurde angepfiffen. Ein Anpfiff um 20.45 Uhr hätte ja auch die Übertragung des zweiten Abendspiels mit deutschen Beteiligung beeinträchtigt. So konnten beide, Privatsender Sky und das öffentlich-rechtliche ZDF, ihre Übertragungen starten, ohne große Einbußen an Zuschauern und Werbeeinnahmen befürchten zu müssen.

Noch einmal: Kann man unter solchen Bedingungen Fußball spielen? Die Profis haben einmal mehr die ungute Erfahrung machen müssen, dass sie als gut bezahlte Angestellte dem Ruf des Geldes zu folgen haben. Ein Anschlag auf die Mannschaft mit lebensgefährdenden Sprengsätzen? Geschenkt. Die Verletzung eines Mitspielers, der bis in die Nacht operiert wurde? Der Kader ist ja groß genug.

Bleibt der politische Aspekt: Wir wollen in unserer offenen Gesellschaft nicht auf Spektakel wie den Fußball verzichten. Sie mögen manchem zu laut, zu schrill oder gar unnütz erscheinen, sie sind aber Bestandteil unserer Zivilisation, unserer Kultur. Etwas mehr Nachdenken darüber hätte den Verantwortlichen für die Spielansetzung gut angestanden.