Wieder kentert ein Flüchtlingsboot. Wieder Hunderte Leichen im Mittelmeer. Und wieder viel Bedauern, etwas Kritik und keine Reaktion? Das darf einfach nicht sein. Und das hätte auch vorher schon nicht sein dürfen. Die Europäische Union braucht – eher gestern als morgen – ein neues Seerettungsprogramm, eine neue Flüchtlingspolitik und eine neue Entwicklungsarbeit.

Als Erstes das neue Seerettungsprogramm: Es eilt denen zur Hilfe, die auf der Flucht vor Krieg und Elend auf einem klapprigen Kahn die waghalsige Überfahrt ins gelobte Europa wagen. Und es wird immer Verzweifelte geben, die diesen Weg übers Mittelmeer versuchen. Sie einfach untergehen zu lassen, ist keine Option. Auch wenn das Programm Geld kosten wird, auch wenn es von Schleppern ausgenutzt wird.

Als Zweites die neue Flüchtlingspolitik: Die Staaten am Rande Europas, vor allem am Rande des Mittelmeers, müssen vom Strom der Hilfesuchenden entlastet werden. Die völlig überfüllten Asylunterkünfte sind die nächste Katastrophe, die die Flüchtlinge – wenn sie die Überfahrt überlebt haben – durchleiden müssen. Auch muss es klare Regeln geben, welcher Flüchtling bleiben darf und wer nicht. Und letztere müssen schnell und zügig in die Heimatländer zurückgebracht werden.

Als Drittes die neue Entwicklungsarbeit: Europa kann die vielfältigen Probleme in den arabischen und afrikanischen Ländern nicht mehr länger ignorieren. Nur wenn den Menschen in ihrer Heimat ein würdiges Leben geboten wird, werden sie auch dort bleiben. Doch allein kommen die meisten Länder nicht aus ihren Krisen heraus. Hier wird die EU noch viel Geld und ebenso viel Beratung investieren müssen.

Das Problem der Flüchtlingsboote lässt sich nicht mit bloßem Bedauern, noch nicht einmal mit ein paar eilig einberufenen Konferenzen abstellen. Nur wenn sich in den Herkunftsländern, in den Zielländern und bei den Überfahrten wirklich etwas bewegt, werden die Tragödien in Zukunft weniger. Doch wenn die EU ihre Politik des Nichtstuns fortsetzt, sollten wir uns am besten schon auf die nächste Schreckensmeldung einstellen.

Stefanie Dosch
Stefanie Dosch Politikredaktion/Newsdeskmanagerin