Oldenburg - Von der schillernden und polarisierenden Tennis-Ikone zum zwar prominenten, aber ehrlich arbeitenden „Everybody’s Darling“ – diesen Imagewandel wollte Boris Becker in den vergangenen Jahren vollziehen. Als seriöser TV-Experte für BBC oder Eurosport hat er bei vielen Fans Anerkennung erfahren. Doch seine Taktik ging vor Gericht nicht auf. Der Rasen-Champion ist nur 15 Kilometer entfernt von seinem „Wohnzimmer“ in Wimbledon zu einer Haftstrafe verurteilt worden.
Er bleibt einer der besten Sportler, die das Land hervorgebracht hat. Doch Becker hat zu sehr auf Beliebtheit gesetzt: auf seine Gewitztheit, seine augenzwinkernden, teils sympathisch-naiven Interviews.
Der angebliche Sinneswandel zum geerdeten Gentleman ist ihm hingegen nur schwerlich abzukaufen. 2002 wurde Becker wegen Steuerhinterziehung verurteilt, genoss dennoch weiterhin den Luxus. Spätestens als er vor fast fünf Jahren für zahlungsunfähig erklärt wurde, hätten aber selbst bei ihm Alarmglocken schrillen müssen. Doch er spielte sich eigenständig ins Aus. Vielleicht aus Mangel an Alternativen, vielleicht aus Überheblichkeit. Vor Gericht setzte er auf eine Verteidigung, die keine war: Er habe keine Zeit gehabt, sich um seine Finanzen zu kümmern – er sei nicht richtig informiert worden, welche Pflichten er nach dem Insolvenzantrag gehabt habe.
Solche Uneinsichtigkeit wurde zu Recht bestraft. Seine Fans werden ihn weiterhin feiern – künftig aber wohl nur noch für Erfolge längst vergangener Tage.
