Breme/Oldenburg - Traditionell, weltoffen, tolerant. Das ist Bremen, keine Frage. Aber reicht das, für ein gutes Image? Wohl kaum. Dazu spielen mehr Faktoren eine Rolle, vor allem nicht wegzudiskutierende Eckwerte wie Arbeitslosigkeit, Finanzen oder auch Schulden.
Nun hat im Januar sich ein Vorstandsmitglied des erfolgreichen Technologie-Konzerns OHB erdreistet, Bremen als „graue Maus“ zu bezeichnen – und damit eine Debatte im kleinsten Bundesland losgetreten. Man befindet sich seitdem in einem Abwehrmechanismus, der Gegenargumentations-Kurs hat volle Fahrt aufgenommen, auch weil Bürgermeister Sieling sich über Hofmanns graue Maus“ wie er sagt, „kräftig geärgert“ hat. Natürlich ist das schmerzhaft, wenn jemand wie Hofmann, noch dazu ein zugereister Manager, den Blick von außen auf das Land wirft.
Das ist oft verletzend, kann aber hilfreich sein und vor allem viel mehr der Realität entsprechen.
Aber die Empörung Sielings über die „graue Maus“ sorgte reflexartig für gewünschte mediale Begleitmusik, ob in Print, online, in Radio und Fernsehen. Umfragen unter dem Motto „Ist Bremen nicht schön?“ wurden gestartet – und der Bremer findet sein Bremen schön. Hurra, geht doch.
Gemütliches Flair. kurze Wege, viele grüne Ecken, lebenswert und gute Verkehrsanbindungen – ja das ist Bremen. Doch das kann es ja nicht alleine sein.
Seit Jahrzehnten lebt der Stadtstaat finanziell weit über seine Verhältnisse. Bremen ist das kleinste Bundesland mit großen Problemen. Mit 10,1 Prozent ist die Arbeitslosenquote fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt (5,3 Prozent). Bei der allgemeinen Armutsgefährdung liegt Bremen auf dem hintersten Rang der Bundesländer. Im Durchschnitt braucht jeder Fünfte im Land staatliche Unterstützung. Und der notorisch klamme Zwei-Städte-Staat steht mit 20 Milliarden in der Kreide. Jährlich machen Zinsbelastungen von 600 Millionen Euro dem Bundesland das Atmen schwer. Hinzu kommt: das Bildungsniveau ist geringer als in anderen Bundesländern, die Kriminalitätsrate recht hoch.
Außerdem gab es die Insolvenzen wichtiger Unternehmen und Institutionen sowie Firmen-Abgänge. Dabei hat Bremen mit Mercedes-Benz, Airbus, OHB, Hafenwirtschaft, Handel, Dienstleistung und High-Tech eigentlichen einen guten Mix. Aber viele der Mitarbeiter, allesamt gute Steuerzahler, wohnen nicht in Bremen, sondern im niedersächsischen Umland.
Mit Durchhalte-Parolen und Image-Kampagnen ist es also nicht getan. Im Mai 2019 wählt Bremen einen neuen Landtag. Geht dann endlich ein Ruck durchs Land? Nein, eher geht es so weiter wie bisher.
Und Klaus Hofmann, der Manager von OHB, wird weiter darauf aufmerksam machen, wie schwierig es ist, geeignete Mitarbeiter in Bremen für sein Unternehmen zu finden. Und Hofmann ist nun mal fürs Personal beim Raumfahrt-Konzern zuständig. Viel mehr wollte er eigentlich nicht sagen mit der „grauen Maus“.
