Das Regime in Nordkorea scheint die Schlagzeilen über Donald Trump genau zu lesen. Denn kaum ist klar geworden, dass die erste Auslandsreise den US-Präsidenten weiter geschwächt hat und Trumps Ansehen vor allem bei den europäischen Verbündeten nicht gerade glänzend ist, testen die Diktatoren in Pjöngjang erneut eine Kurzstreckenrakete – trotz vorausgegangener Warnungen von Washington und der G7-Runde. Das bedeutet auch: Mit der Fortsetzung dieser Provokationsstrategie gibt Nordkorea zu erkennen, dass es die Drohungen des Weißen Hauses, alle Optionen lägen in diesem Dauer-Konflikt auf dem Tisch, nicht ernst nimmt.
Völlig unklar ist weiterhin, wie die USA gemeinsam mit dem besorgten Partner Japan tatsächlich diesen Tests, die bald wohl auch eine für die Vereinigten Staaten bedrohliche Langstrecken-Rakete umfassen dürften, begegnen werden. Das atomare Arsenal Nordkoreas macht angesichts der Unberechenbarkeit des Regimes den von Trump theoretisch angedachten Militärschlag unwahrscheinlich.
Sanktionsmäßig sind die Stalinisten so gut wie austherapiert. Auch scheint China nicht den Willen zu haben, trotz des Drängens der USA massiven Einfluss auf Nordkorea zu nehmen. Das lässt den Schwarzen Peter auf Trumps Tisch – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo seine Schwächen überdeutlich geworden sind.
