Kann einem die deutsche Sprache leidtun? Und schreibt man überhaupt leidtun?

Ja, offenbar nach der Rechtschreibreform, die heftigst umkämpft war. Indes, seit Jahren gibt es eine Waffenruhe im Wörterkrieg. Man hat sich abgefunden, und so mancher schreibt, fast so wie im 18. Jahrhundert, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Allerdings stimmt das Gerücht nicht, die Reform sei nur gekommen, damit die Sprachberatungshotline von Duden ausgelastet sei. Wie auch immer: Nun hat der bedeutende Rechtschreibrat einige Kleinigkeiten amtlich repariert (wir sollen bitte nur noch Yoga und nicht etwa „Joga“ schreiben) und eine mächtige Sache geboren: das Groß-Eszett.

Die Welt hat vielleicht nicht darauf gewartet, mag sich mancher sagen. Aber der neue Großbuchstabe, auch gern ohne Hintergedanken scharfes S genannt, ist offenbar nötig, damit etwa bei Sicherheitskon­trollen keine Unklarheiten entstehen. Doch leider gleicht das große Eszett sehr dem kleinen Eszett, es ist nur etwas fetter. Aber seien wir froh, denn das Fehlen des Großbuchstabens ist ja seit 100 Jahren ein Thema. Wichtige Dinge brauchen eben Zeit.