Sie sind zwar EU-Bürger, stehen aber in der Hackordnung ganz unten: Menschen aus den osteuropäischen Staaten Bulgarien und Rumänien. Die freie Wahl des Wohnortes und des Arbeitsplatzes in der Eurozone hat den meisten – sieht man einmal ab von hoch qualifizierten Medizinern und ähnlichen Berufsgruppen, die nach dem EU-Beitritt ihre Länder ganz schnell Richtung Westen verließen und damit zu einer weiteren Schwächung der dortigen Infrastruktur beitrugen – wenig gebracht. In unserer Region schuften viele von ihnen als Niedriglöhner in der Fleischbranche. Das ist nicht nur im Oldenburger Münsterland so, auch in Delmenhorst verdingen sich Osteuropäer für eine Handvoll Euro in der Fleischindustrie.

Dass man damit wirtschaftlich auf keinen grünen Zweig kommt, ist klar, das haben uns die Skandale aus Südoldenburg gezeigt. Die Billigarbeiter müssen, wenn sie schon nicht zu mehreren Personen in einem Schlafquartier zusammengepfercht werden, mit unwürdigen Wohngelegenheiten Vorlieb nehmen. In Delmenhorst kann man das sehen, im Wollepark, einem ehemaligen Vorzeigequartier des Sozialen Wohnungsbaus der 70-er Jahre. Ein regelrechtes Ghetto hat sich in einigen Straßen des Viertels herausgebildet. Dort kommt das Wasser seit Dienstag in zwei Wohnblöcken nur noch aus der Zimmerdecke, nicht mehr aus den Wasserhähnen. Die Bewohner waren leichtes Opfer für skrupellose Vermieter, die die in aller Regel vom Jobcenter gezahlten Nebenkosten für Wasser und Gas in die eigene Tasche steckten.

Osteuropäer haben keine Lobby, für sie gibt es – anders als für Geflüchtete – so gut wie keine Förderprogramme. So nehmen die meisten das, was gerade in Delmenhorst geschieht, achselzuckend hin, obwohl es unter humanitären Gesichtspunkten zumindest fragwürdig ist.