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CDU-Ministerpräsidenten und ihr Parteichef Friedrich und die starken Männer

Hagen Strauß
Friedrich Merz, CDU Bundesvorsitzender und Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion,  im Bundestag
Analyse

Friedrich Merz, CDU Bundesvorsitzender und Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion, im Bundestag

dpa

Berlin - Mit dem Migrationsgipfel am Freitag hat CDU-Chef Friedrich Merz einen Erfolg erzielen können – er gängelte den Kanzler so lange, bis der ihn auch einlud. Manch einer in Berlin wittert aber eine Falle von Olaf Scholz (SPD): Er wolle die Union spalten. Indem er am Ende lediglich mit den Ministerpräsidenten, also auch mit denen der CDU, gemeinsame Sache bei der Begrenzung des Flüchtlingszustroms mache. Käme es so, wäre Merz womöglich der Belämmerte. Sein Verhältnis zu den eigenen Länderfürsten stünde erneut auf dem Prüfstand.

Sechs Ministerpräsidenten stellt die CDU derzeit. Sie sind zielstrebig, machtbewusst und erfolgreich bei ihren letzten Wahlen. Das lassen sie auch ihren Parteichef zwischenzeitlich spüren. Merz, der König ohne Land und Regierungsamt, weiß, ohne die Ministerpräsidenten kann er nicht erfolgreich sein. Friedrich und die starken Männer – wer sie sind, was sie antreibt:

Der Forsche

Seit Hendrik Wüst die Landtagswahlen im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen gewonnen hat, macht der 48-Jährige das, was man von einem NRW-Ministerpräsidenten und Chef des mächtigsten CDU-Landesverbandes erwartet – er kokettiert mit Ambitionen für höhere Aufgaben. In Interviews, mit außenpolitischen Auftritten, mit Widerspruch zum Kurs des Bundesvorsitzenden. Wüst ist im Gespräch, darum geht es. Nur: Würde er auf den K-Zug springen? Aus der Union wird kolportiert, dann müsste Wüst den Bundesvorsitz von Merz übernehmen. Würde er das wollen? Und es heißt, womöglich könnte der Münsterländer zu einem zweiten Laschet werden, Geschichte sich dann auch in NRW wiederholen, wenn er die Wahl 2025 im Bund vergeige. Wüst braucht Sicherheit. Vorteil Merz.

Der Quertreiber

Daniel Günther in Schleswig-Holstein hat für sich zum Prinzip erhoben, seinem Vorsitzenden zu widersprechen. Zuletzt kritisierte der 50-Jährige die Abstimmung von CDU, FDP und AfD in Thüringen. „Einzelmeinung“, wehrte Merz ab. Die nächste Spitze folgte nach den Wahlen in Hessen und Bayern: Dort sei honoriert worden, „wenn Politik nicht mit schrillen Tönen“ arbeite, so Günther. Etwas, was dem Bundesvorsitzenden nicht so richtig gelingen will. Günther gehört wie Wüst zum moderaten Lager in der CDU, beide regieren mit den Grünen, die Merz zum Hauptgegner im Bund erklärt hat. Fakt ist: Günther , der seit sechs Jahren Ministerpräsident ist und im vergangenen Jahr die Wahl erneut gewann, will die CDU mehr in der Mitte verankern. Er ist kein Polarisierer. Anders als Merz.

Der Neuling

Boris Rhein, Wahlsieger in Hessen, hatte erst im vergangenen Jahr das Amt von Volker Bouffier übernommen. Auch er ist, anders als Merz, eher präsidial. Nach der Wahl am 8. Oktober hob der 51-Jährige hervor, man habe „mit Stil“ agiert. „Wir haben es immer in einem Sound gemacht, der nie überdreht hat.“ Also mit einem anderen Kurs als Merz? Der betonte, er habe mit seiner Zuspitzung zu abgelehnten Asylbewerbern und Arztterminen zu dem guten Ergebnis in Hessen beigetragen. Rhein gehört allerdings zum Lager von Wüst und Günther – manch einer sieht bereits eine einflussreiche „Westachse“, die sich in der CDU gebildet habe. Durch den Wahlsieg ist klar: Rhein wird jetzt ein Wort in der K-Frage mitreden.

Der Unscheinbare

Dass Kai Wegner in Berlin Regierender Bürgermeister werden würde, hatte man ihm eigentlich nicht zugetraut in der Parteispitze. Doch der 51-Jährige gewann Anfang des Jahres überraschend die Wahlwiederholung in Berlin. In der CDU-Spitze wird darauf verwiesen, dass Merz ihn immer unterstützt und mit seinen Zuspitzungen in der Migrationsdebatte Wegners Wahlkampf angekurbelt habe. Doch das Verhältnis ist erkaltet – der Berliner war der Erste, der Merz nach seinen umstrittenen Äußerungen zur AfD kritisierte. Dann gab er ihm Kontra nach dem Satz, Kreuzberg sei nicht Deutschland. In der Union wird kolportiert, Wegner halte Merz wohl nicht mehr für den Richtigen, um für die CDU neue Wählergruppen zu erschließen.

Der Grenzgänger

Es gab Zeiten, da sorgte sich Merz um Michael Kretschmer, sächsischer Ministerpräsident, aAls die Anfeindungen von rechts gegen den heute 48-Jährigen groß waren. Inzwischen hat sich der Sachse gefangen, er muss im kommenden Jahr die Landtagswahl bestehen. Bei der letzten Wahl legte Kretschmer einen fulminanten Wahlkampf hin und behaupte die CDU gegen die AfD. Diesmal, so legen es die Umfragen nahe, könnte es noch schwerer werden für ihn. Es heißt, im Osten sei Merz gern gesehen, er fülle die Säle, seine Aussagen kämen an. Kretschmer hat politische Narrenfreiheit in der CDU. Merz lässt ihn gewähren, weil vieles im Osten anders gesehen wird. Und umgekehrt. Umgekehrt fährt der Sachse dem Sauerländer kaum in die Parade.

Der Weise

Reiner Haseloff ist bereits 69 Jahre alt. Nach seinem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt im Jahr 2021 ist der Ministerpräsident am Ende seiner politischen Karriere angekommen. Er macht sich keine Mühe mehr, politisch Rücksicht zu nehmen. Muss er auch nicht. Haseloff sagt, was er denkt und fühlt – vor allem mit Blick auf die Grünen. An diesem Punkt ist Merz inzwischen auch angelangt. Obwohl sich die Frage einer Koalition auf Bundesebene dann doch stellen könnte.

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