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Wohlstand durch Umverteilung Chinas fette Jahre sind vorbei

Diederich Bakker
In China noch immer endemisch: Armut
China und wir

In China noch immer endemisch: Armut

DPA

Auf dem jüngsten Volkskongress der Kommunistischen Partei (KP) Chinas wurden in erster Linie enge Vertraute des Präsidenten in das Politbüro bestellt. Nun bedeutet „Kommunismus mit chinesischer Prägung“ wohl noch mehr: Kommunismus mit Xi-Jinping-Prägung. Die Führung der Volksrepublik hat bereits seit einiger Zeit zu erkennen gegeben, den Fokus im Land verstärkt auf Stabilität und Sicherheit und weniger auf Marktwirtschaft und Innovation zu legen.

Letzteres wird besonders den an dieser Stelle oft beschriebenen IT-Sektor treffen. Es sind Konzerne wie Tencent und Alibaba, die nach dem Geschmack der KP zu viel Einfluss haben und stärker an der kurzen Leine gehalten werden müssen. Dabei ist der Staat eigentlich auf sie als Garanten für Wachstum und Arbeitsplätze angewiesen. Kontrolle ist aber das beherrschende Thema der Partei. Im Technologiesektor werden es wohl neue Entwicklungen und Innovationen Made in China bald schwieriger haben.

Wer teilt, hat Freunde

Das in China so wichtige Wirtschaftswachstum und damit verbunden das Versprechen von steigendem Wohlstand ist inzwischen in Gefahr. Bisher galt: Wir sorgen für Wachstum und verbesserte Lebensstandards – ihr (das Volk) haltet euch aus der Politik raus. Nun ist aber das chinesische Wirtschaftswachstum jüngst durch die Folgen der rigorosen Null-Covid-Strategie auf einem Rekordtief angelangt. Chinas mittlerweile Ex-Premier Li Keqiang präsentierte während des Volkskongresses in der vergangenen Woche die schlechteste Bilanz seit den 60er Jahren.

Der Betriebswirt Diederich Bakker promovierte an der Universität Oldenburg und ist Professor für internationale Betriebswirtschaft an der Hanze University of Applied Sciences in Groningen. Er lehrt und forscht zu Themen des internationalen Marketings und Entrepreneurship. Dr. Bakker ist Gastprofessor in Wuhan, China und in den Führungsgremien der European Association of International Education und dem Network of International Business Schools aktiv. (Foto: Will)

Der Betriebswirt Diederich Bakker promovierte an der Universität Oldenburg und ist Professor für internationale Betriebswirtschaft an der Hanze University of Applied Sciences in Groningen. Er lehrt und forscht zu Themen des internationalen Marketings und Entrepreneurship. Dr. Bakker ist Gastprofessor in Wuhan, China und in den Führungsgremien der European Association of International Education und dem Network of International Business Schools aktiv. (Foto: Will)

Das ist alarmierend und schlägt vor Ort auf die Stimmung. Klamme Kassen, eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit und eine nachhaltige Zurückhaltung bei Konsumausgaben sind nun die Folgen. Deshalb ist für den Machterhalt der KP das Programm für „gemeinsamen Wohlstand“ jetzt wichtiger denn je. Mit diesem Programm will Peking eine gerechtere Verteilung von Reichtum und Eigentum erreichen.

In China herrscht nämlich nach wie vor eine enorme Ungleichheit zwischen den Einkommen in der Bevölkerung. Laut Forbes stammen weltweit ein Viertel aller Milliardäre aus der Volksrepublik. Das passt nicht so gut ins Bild vieler Parteifunktionäre. Noch gleicht die Einkommensverteilung eher einer Pyramide. Die Regierung hat aber langfristig eine olivenartige Verteilung mit einer breiten und konsumfreudigen Mittelschicht im Sinn.

Die Umsetzung des „gemeinsamen Wohlstands“ schreitet voran. Besonders die einflussreichen Internetkonzerne und deren Gründer stehen unter Beschuss. Verbote, Beschränkungen und mehr Kontrolle sind die Folge. Solange sie Xi Jinpings Ideologie der „neuen Ära“ unterstützen, ist es den Superreichen auch weiterhin gestattet, ihren Reichtum zu vergrößern. In der Zwischenzeit kehren immer mehr wohlhabende Chinesen ihrem Heimatland den Rücken. Wer es sich leisten kann, lässt sich dann vorzugsweise in einwanderungsfreundlichen Ländern wie Spanien, Italien und Griechenland nieder.

Und was ist mit uns?

China muss nach wie vor als Wachstumsmotor der Weltwirtschaft herhalten und hat einen nicht geringen Anteil an unserem Wohlstand in Deutschland. Jedes Jahr wächst das Chinageschäft, und das Land bleibt Deutschlands wichtigster Handelspartner. Von Entflechtung keine Spur.

Im Gegenteil. Immer mehr Unternehmen kehren dafür Deutschland den Rücken und wandern besonders gerne Richtung China ab. Vergangenes Jahr haben die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen dort einen Rekordwert erreicht. Besonders Unternehmen im herstellenden Gewerbe sind in China nach wie vor herzlich willkommen. VW, Audi, Mercedes und BMW errichten in China gerade neue Werke. Nicht in Deutschland! Die Chemiekonzerne BASF und Beiersdorf investieren derweil zweistellige Milliardenbeträge im Reich der Mitte.

Waren es früher vornehmlich die guten Marktchancen, scheinen mittlerweile hiesige Standortnachteile mit den Ausschlag fürs Abwandern deutscher Vorzeigeunternehmen zu geben. Wir haben ja unter anderem die höchsten Energiepreise weltweit. Tendenz steigend. Die China-Phobie scheint also, zumindest in der freien Wirtschaft, verflogen zu sein. Unternehmen sind ja immer gut beraten, marktwirtschaftlich zu handeln und die Politik bei ihren Entscheidungen außen vorzulassen.

Bei allen Risikoabwägungen, die bei Geschäften in China trotzdem erforderlich bleiben, sind Totalausfälle wie mit Russland eher unwahrscheinlich. Hoffentlich! Deutschland braucht China als Wohlstandgaranten mehr denn je. Unser Wissen und Know-how aus traditionellen Branchen sind dort nach wie vor gefragt. Bei den Zukunftstechnologien haben wir uns leider abhängen lassen.

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