Angela Merkel galt jahrelang als mächtigste Frau der Welt. Sie bestimmte vor allem in Europa, wo es langging. Doch so langsam scheint die Kanzlerin diesen Status einzubüßen: Ein Franzose namens Emmanuel Macron versucht mit aller Macht, ihr den Rang an der Spitze abzulaufen. Er ist es, der Reformdebatten anstößt, er ist es, der in Sachen Syrien und im Fall Skripal handelt. Er ist es, der auch in seiner Heimat gegen viele Widerstände Reformen durchsetzt. Merkel kann nur reagieren – statt zu agieren.
Natürlich muss man der deutschen Regierungschefin zugutehalten, dass sie lange nur geschäftsführend im Amt war und deshalb sehr eingeschränkt Wegweisendes von sich geben konnte. Das hat Macron jedoch geschickt genutzt, um auf der Reform-Lokomotive ganz nach vorn zu klettern. Merkel dürfte das nicht gefallen. Wohl auch deshalb empfing sie den Gast aus Paris zwar nach außen sehr freundlich, einen Neustart für den einstigen deutsch-französischen Motor gab es in Berlin jedoch nicht.
