Die Türkei hat die Siebenmeilenstiefel in Richtung Autokratie angezogen, einen Weg zurück wird es nicht geben. Damit muss sich nun auch die Europäische Union auseinandersetzen. Das Argument, nach dem die Gemeinschaft über die in Aussicht gestellte Aufnahme in ihren Kreis mehr Einfluss auf die demokratischen Entwicklungen in dem Land am Bosporus ausüben kann, hat sich spätestens jetzt als naiv entpuppt.

Statt einer Annäherung an Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte liebäugelt Erdogan mit der Todesstrafe. Er sucht die Konfrontation und testet, wie weit er gehen kann. Dabei kennt er die Antwort bereits: Europa war und ist in dieser Frage nicht verhandlungsbereit. Die Gemeinschaft muss sich nun entscheiden, ob sie Erdogan noch länger gewähren lassen will oder ihm mit einem Ende der Beitrittsverhandlungen zuvorkommt.

Egal wie sie sich entscheidet – sie wird nur verlieren können. Erhält die EU die Verhandlungen ohne sichtbare Fortschritte aufrecht, wird sie zum Kanonenfutter für Erdogans Machtpolitik. Kündigt sie die Beitrittsperspektive – ebenso.