Doha - Der Welt-Leichtathletik-Verband IAAF hat mit dem Feuer gespielt – und sich übel verbrannt. Aber das Schlimmste ist, dass die Verantwortlichen nach den skurrilen Bildern der nächtlichen Wettbewerbe in Doha weiter eiskalt bleiben.

Etliche Aufgaben hat es sowohl beim Marathon der Frauen (nur 40 von 68 erreichten das Ziel) als auch beim 50-Kilometer-Wettbewerb der Geher gegeben. Viele topfitte Athleten mussten mit Rollstühlen abtransportiert oder medizinisch versorgt werden. Die Sieger-Zeiten waren mit Abstand die schlechtesten in der WM-Geschichte – dabei waren die Rennen extra nachts ausgetragen worden, um der größten Hitze zu entgehen. Damit entging man allerdings auch den Zuschauern an der Strecke. Und selbst das auf 27 Grad runterklimatisierte Khalifa-Stadion blieb erschreckend leer.

Beschämende Bilder, die einer WM in einer olympischen Kernsportart unwürdig sind – abgesehen davon, dass man die Gesundheit der Athleten aufs Spiel setzt. Dass die IAAF dann auch noch mitteilt, „keine einzige Aufgabe“ beim Marathon sei „auf einen Hitzschlag zurückzuführen“, setzt allem die Krone auf. Schließlich hatte ja selbst der Weltverband so etwas ganz offensichtlich vorausgeahnt.

Bleibt zu hoffen, dass die Funktionäre – und nicht nur die der Leichtathletik! – aus dem peinlichen Debakel lernen. Für den Männer-Marathon in Doha in der Nacht zum kommenden Sonntag käme zwar ohnehin jede Einsicht zu spät. Aber bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 warnen Experten auch schon vor extremen Wetterbedingungen. Und wo findet noch gleich die nächste Fußball-WM 2022 statt?

Mathias Freese
Mathias Freese Sportredaktion