Wir fällen jetzt kein abschließendes Urteil über die medizinische Doktorarbeit der Politikerin Ursula von der Leyen (CDU). Wir wissen nicht, wie oft sie ein Reagenzglas hochgehalten, wie tief sie in die Fachliteratur geschaut hat. Und wir erwähnen auch nur am Rand den Witz von jahrelang werkelnden Geisteswissenschaftlern, die neidisch auf Mediziner gucken, die dünne Doktorarbeiten mal eben in den Sommerferien runterschreiben.
Aber wir erinnern daran, wie es etwa ausging bei den Politikern Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Annette Schavan (CDU), Jorgo Chatzimarkakis (FDP) oder Silvana Koch-Mehrin (FDP) – nämlich schlecht. Die Titel wurden aberkannt. Gewiss, Frank-Walter Steinmeier (SPD) durfte seinen Dr. behalten. Stets ging es um unsauberes Arbeiten, um Plagiate, um hingeschluderte Texte, um Schummelei. Alle bislang Ertappten reagierten zunächst mächtig empört. In einem zweiten Schritt trösten sie uns gern mit den üblichen Floskeln von neutraler Prüfung und rückhaltloser Aufklärung. Was dem folgt, entscheidet die jeweilige Hochschule. Schließlich sind Universitäten Orte, an denen Kieselsteine geschliffen werden. Allerdings werden zuweilen auch Diamanten getrübt.
