Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen wird ihrem Ruf als Mahner und Warner gerecht: Das Jahrbuch Sucht führt akribisch Protokoll über den Durchschnittsverbrauch an legalen und illegalen Drogen hierzulande – und malt wie so oft düstere Bilder, im Rückblick auch für 2011.

Sicher mit dem Ziel, der Verharmlosung von Alkoholkonsum entgegenzuwirken, erfährt der Verbraucher stets Drastisches von der Suchtstelle: etwa, dass er binnen zwölf Monaten eine Badewanne voll alkoholischer Getränke verzehrt hat. Statistisch gesehen. Krankheit droht. Tod naht.

Eher in Fußnoten informiert die Suchtstelle über positive Trends. Die gibt es durchaus: Aber der seit Jahren sinkende Pro-Kopf-Verbrauch von Alkoholika findet selten Erwähnung. Auch die Tatsache, dass immer weniger Jugendliche unter 18 zur Zigarette greifen, lässt keine Euphorie aufkommen. Jedem Raucher stehen drei Nichtraucher gegenüber; in den meisten EU-Ländern steigt weitaus mehr blauer Dunst auf als in Deutschland. Alles nicht so wichtig?

Doch. Weil Einseitigkeit nicht zur Glaubwürdigkeit beiträgt.

Gaby Schneider-Schelling
Gaby Schneider-Schelling Chefredaktion (Stv. Chefredakteurin)