Das Theater um den an sich unbedeutenden TV-Clown Jan Böhmermann ist eine Staatsaffäre. Dass es so weit kam, hängt mit einem Fehler der Kanzlerin zusammen: Sie hätte niemals den türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğglu anrufen dürfen, sie hätte sich niemals in das Getriebe dieser Affäre verstricken lassen dürfen.

Jede Entscheidung über die Strafverfolgung Böhmermanns wird nun unweigerlich mit ihrer Person verknüpft. Muss der Komiker vor Gericht, wird man sie beschuldigen, durch ihr Eingreifen für die damit verbundene Einhegung der Meinungsfreiheit verantwortlich zu sein. Lässt man Böhmermann vom Haken, wird man ihr das in Ankara als unfreundlichen Akt zurechnen. Dabei hätte die Kanzlerin doch einfach nur schweigen sollen – es gab überhaupt keine Notwendigkeit, diese Affäre durch ihr Wort noch weiter politisch aufzuwerten. Im Übrigen gilt es festzustellen, dass man Böhmermanns Verschen durchaus für ekelhaft halten kann, ohne vor Erdogan auf den Knien zu liegen. Diesen Präsidenten einen Schuft zu nennen, weil er die Freiheit knebelt, ist in diesem Land nämlich immer möglich. Doch darum ging es Böhmermann ja nicht. Er wollte – ganz apolitisch – einfach nur Aufmerksamkeit.

Dr. Alexander Will
Dr. Alexander Will Mitglied der Chefredaktion (Überregionales), Leiter Newsdesk