Vielleicht ist es auch nur ein weiterer Bluff von Syriens Machthaber Baschar al Assad und seinen Verbündeten in Moskau und Teheran. Ab heute sollen die Waffen schweigen, nach fast sechs Jahren Krieg, nach fast einer halben Million Toten. Es ist die siebte Waffenruhe, die von der syrischen Regierung bestätigt wird. Die meisten hielten nur Stunden.
Einiges spricht dafür, dass das Blutvergießen diesmal für längere Zeit gestoppt, ja vielleicht sogar beendet werden könnte: Die Türkei, die im Gegensatz zu Russlands Präsident Wladimir Putin in Syrien die Gegner Assads unterstützt, hat die Waffenruhe mit ausgehandelt, tritt gemeinsam mit Russland als Garantiemacht auf. Der Iran, dessen Milizen bei der Rückeroberung Aleppos durch die Assad-Truppen vor zwei Wochen entscheidend waren, ist eingebunden.
Vor allem aber hat Assad erreicht, was der Westen in den vergangenen Jahren mit vielen diplomatischen Offensiven – aber ohne eigenes militärisches Eingreifen – verhindern wollte. Der Mann, der sein Volk mit Fassbomben angriff, Giftgas einsetzen lies und noch immer Millionen Menschen von seinen Truppen belagern und hungern lässt, sitzt wieder fest im Sattel, kann den Komplettzerfall Syriens verhindern und damit noch größeres Chaos in der Region abwenden.
Im Januar sollen Friedensgespräche beginnen, unter Schirmherrschaft Moskaus und Ankaras und zwischen der syrischen Opposition und Vertretern des Assad-Regimes. Der künftige US-Präsident Donald Trump könne sich gemeinsamen Friedensbemühungen anschließen, sobald er von Barack Obama das Amt übernommen habe, heißt es bereits aus dem Kreml. Der scheidende Präsident und seine Verbündeten in Berlin, Paris, London und Brüssel sind mit ihrem Versuch einer wertorientierten, aber zahnlosen Außenpolitik gescheitert, haben kläglich versagt. Durchgesetzt haben sich die zynischen und knallharten Machtpolitiker Putin und Assad.
