Der Friedensnobelpreis 2016 ist eine Durchhalteparole. Kolumbiens Präsident Manuel Santos wird für sein „entschlossenes Bemühen geehrt, den mehr als 50 Jahre dauernden Bürgerkrieg in seinem Land zu beenden“, begründet das Nobelpreiskomitee seine Entscheidung. Eine kluge Entscheidung: Denn entschlossenes Bemühen ist genau das, was dieser Friedensprozess in diesem Moment, nach dem überraschenden „Nein“ bei der Volksabstimmung Anfang des Monats, braucht.

Kein Kolumbianer ist ernsthaft gegen ein Ende dieses mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Konfliktes mit Hunderttausenden Toten und Millionen Vertrieben. Die Mehrheit – oder zumindest die Mehrheit derer, die ihre Stimme bei der Volksabstimmung auch abgegeben haben, – ist gegen dieses Ende des Konfliktes: Der von Santos unterschriebene Friedensvertrag hätte die Farc-Guerilla wenig für ihre vergangenen Verbrechen zur Rechnenschaft gezogen, ihr zugleich viel Mitbestimmung im künftigen Kongress gewährt. Der Vertrag, das muss auch erwähnt werden, hätte die Verbrechen des Militärs und der rechten Paramilitärs verurteilt und deren Dominanz im Kongress geschmälert. Dazu sagte das Volk „Nein“.

Der Präsident hätte nach dem „Nein“ hinschmeißen können, den Krieg Krieg sein lassen, den Friedensprozess um Jahre zurückwerfen. Doch stattdessen hat Santos sofort neue Gespräche gestartet. Mit der Farc. Mit den Opfern der Farc. Und auch mit den Vertragsgegner um den erzkonservativen Ex-Präsidenten Álvaro Uribe, dem enge Kontakte zu rechten Paramilitärs nachgesagt werden. Das werden keine einfachen Gespräche.

Der diesjährige Friedensnobelpreisträger wird sich noch jahrelang entschlossen bemühen müssen, um den kolumbianischen Bürgerkrieg zu beenden. Viele werden kritisieren, dass er auch noch viel entschlossenes Bemühen brauchen wird, um den Nobelpreis wirklich zu verdienen. Und, dass die Entscheidung des Nobelpreiskomitees wieder eine politische war. Ja, das war sie. Was denn auch sonst? Eine historische Einschätzung von Santos’ Wirken wird man frühestens in ein paar Jahrzehnten liefern können. Wenn der Konflikt in Kolumbien wirklich Geschichte ist.

Stefanie Dosch
Stefanie Dosch Politikredaktion/Newsdeskmanagerin