Das politische Spiel des griechischen Regierungschefs ist so durchsichtig wie naiv. Vor gut einer Woche beschwor Alexis Tsipras noch die gute Partnerschaft mit Deutschland und Europa, jetzt biedert er sich Russlands Präsident Wladimir Putin an und geißelt die Sanktionspolitik der EU, die Athen bisher stets mitgetragen hatte.
Tsipras glaubt offensichtlich, auf diese Weise von seinen europäischen Partnern weitere Finanzhilfen erpressen zu können. Sein wenige Tage altes Versprechen, ernsthafte Reformen auf den Weg zu bringen und mit den Geldgebern zu kooperieren, wirkt angesichts dieser neuen Volte hohl.
Gewiss, die Euroländer haben bei ihrer Rettungspolitik viele Fehler gemacht. Und ein Euro-Austritt der Griechen hätte auch für sie negative Folgen. Doch Europa sollte Tsipras deutlich sagen, dass es sich nicht erpressen lässt. Wenn der griechische Premier ernsthaft glaubt, in Moskau einen verlässlicheren Partner zu finden als in der EU, muss er diesen Weg gehen. Und mit den Konsequenzen leben.
