Das war kein Gerichtsprozess, das war eine Farce, was am Montag in der oberägyptischen Stadt Minia über die Bühne ging. Ganze 15 Minuten nahm sich der Richter Zeit, um über 683 Menschen das Todesurteil zu verhängen. Der Begriff kurzer Prozess bekommt hier eine Bedeutung, die an Zynismus nicht mehr zu überbieten ist.

Sicherlich, die Angeklagten sind keine Unschuldsengel, dennoch ist so ein juristisches Vorgehen nicht zu tolerieren. Richtigerweise ließ Kritik seitens der Bundesregierung und der Vereinten Nationen nicht lange auf sich warten – viel bewirken wird sie leider nicht. Zu sehr sind die Militärs in Ägypten dazu entschlossen, die Ordnung im Land am Nil nach ihren Vorstellungen wiederherzustellen. Und darin kommt die Muslimbruderschaft, die als Terrororganisation eingestuft und verboten wurde, nicht vor.

Zur Ruhe kommen wird Ägypten so nicht. Die Muslimbrüder werden sich wehren. Mit welchen Mitteln auch immer. Nach dem arabischen Frühling droht Ägypten ein heißer Herbst.

Hermann Gröblinghoff
Hermann Gröblinghoff Politikredaktion (Newsdeskmanager)