Wenn das gerade in Berlin geplante Museum des 20. Jahrhunderts auch nur annähernd authentisch abbilden soll, was diese 100 Jahre ausmachte, dann dürfte es ein Museum der Schande werden.
Mit zwei verheerenden Weltkriegen, inklusive Holocaust in deutschem Namen, Flucht und Vertreibung weltweit, dem Einsatz von Atombomben, dem selbst gemachten Klimawandel oder einer verfehlten Mobilität hat die Menschheit der folgenden Generation nicht viel Erinnerungswürdiges hinterlassen.
In Deutschland gibt es rund 7000 Museen. Sie sollen Beispiele für informelle Lernumgebungen sein. Die allermeisten sind ausgeklügelt klimatisierte Gebäude, denn sie beherbergen und zeigen hochwertige Kunstwerke. Das belastet nicht nur die CO2-Bilanz, sondern auch die ohnehin nicht üppigen Etats.
Der Museumsbund hat gerade für 2023 mit mindestens 100 Millionen Euro an Mehrkosten für die Häuser vorgerechnet. Das vorgegebene Einsparziel von 20 Prozent im Energiesektor löst nicht das grundsätzliche Problem von Bausubstanz und Inventar.
Wenn Staatsministerin Roth nun das vom Bund finanzierten Museum in Berlin durch die Umplanung noch teurer werden lässt, folgt dies dem grünen Narrativ. Nüchtern betrachtet hätte es diesen Prestigebau überhaupt nicht gebraucht.
Die Gesamtsumme von rund einer halben Milliarde Euro hätte man gut in die energetische Sanierung der bestehenden Museumslandschaft investieren können. „Ins Handeln kommen: Klimaschutz im Museum“ lautet das Motto der Jahrestagung des Museumsbundes Mitte Mai in Osnabrück. Ob sich alle Verbandsmitglieder genauso auf den nächsten Berliner Neubau freuen wie Frau Roth, wird man erfahren.
